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Gluthitze im Südwesten.
Gluthitze im Südwesten. © dpa
27.07.2013

Brüten unter der Hitzeglocke: Temperaturen von fast 40 Grad

 Stuttgart (dpa/lsw) - Fast 40 Grad im Schatten und kaum ein freier Platz auf der Liegewiese im Freibad: Das bislang heißeste Wochenende des Jahres hat den Baden-Württembergern den Schweiß auf die Stirn getrieben. Im Rheintal war es am Samstag so heiß wie nirgendwo sonst in Europa.

Doch das Wetter hatte noch mehr zu bieten: Schwere Gewitter zogen durch das Land. Im Enzkreis sah es nach einem Unwetter mit golfballgroßen Hagelkörnern fast winterlich aus. Die Menschen im Schwarzwald gaben sich indes völlig unbeeindruckt von der Hitzeglocke und veranstalteten ein großes Skispringen.

«36 Grad - und es wird noch heißer» - das Lied von 2Raumwohnung klang am Samstag aus dem Radio wie die gesungene Wettervorhersage. Viele Freibäder platzten aus allen Nähten, am Bodensee war die Hölle los, und in einer Tübinger Eisdiele war zwischenzeitlich sogar das Vanille-Eis ausverkauft. Das südbadische Rheinfelden (Kreis Lörrach) stellte mit 38,6 Grad sogar den Hitze-Tagesrekord für Europa auf.

Noch heißer - ober trotzdem kein offizieller Rekord - war es auf dem Rasen im Karlsruher Wildparkstadion. 40,7 Grad hat der Karlsruher SC gemessen. Um den knapp 20 000 Fußballfans in der prallen Sonne zumindest ein bisschen Abkühlung zu verschaffen, sprühten Helfer mit Schläuchen Wasser in die Menge. Die Schiedsrichter hatte auch mit den Spielern ein Einsehen. Ähnlich wie in anderen Partien pfiff er nach 20 Minuten zu einer ersten Trinkpause.

Im Schwarzwald ließ die tropische Hitze einige Wintersportfans hingegen völlig kalt: Auf der Skisprungschanze in Hinterzarten (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) zwängten sich Wintersportler bei 36 Grad im Schatten in ihre dicken Skianzüge und segelten die Mattenschanze hinunter. Unten ließen sich einige dann erstmal von der Feuerwehr kalt abspritzen.

Obwohl Ärzte immer wieder dazu aufriefen, genügen zu trinken, machte die Hitze vielen Menschen gesundheitlich zu schaffen. Die Krankenhäuser mussten zahlreiche Patienten mit Kreislaufproblemen behandeln. Das Deutsche Rote Kreuz in Stuttgart hatte nach eigenen Angaben bereits am Wochenende die Gesamtzahl aller Kreislauf-Einsätze aus dem Juli 2012 übertroffen. Auch beim Christopher Street Day, zu dem am Samstag in der größten Nachmittagshitze rund 200 000 Besucher nach Stuttgart gekommen waren, hatten sich die Sanitärer auf die Hitze eingestellt.

In den Geschäften in der Stuttgarter Königstraße war es mitten im Sommerschlussverkauf (SSV) ruhig. «Da war die Hitze zu extrem», sagte der Präsident des Einzelhandelsverbandes Baden-Württemberg, Horst Lenk. Bei Temperaturen nahe der 40-Grad-Marke hätten viele Baden-Württemberger die Einkaufsstraßen eher gemieden. Trotzdem sei der SSV für die meisten Händler bislang erfolgreich verlaufen.

Doch die extreme Hitze hatte auch schwere Gewitter im Gepäck. In der Nacht zum Sonntag blitzte und donnerte es in weiten Teilen des Landes, an einigen Orten fiel extrem viel Regen. Im Enzkreis hatte am Freitagabend Hagelkörnern in der Größe von Golfbällen Autos verbeult und Häuser beschädigt. «Es sieht aus wie im Winter, alles weiß», berichtete die «Pforzheimer Zeitung» (Samstag). Im Kreis Freudenstadt liefen die Keller wegen des starken Regens voll und der Wind riss sogar Dachfenster aus dem Rahmen.

In den nächsten Tagen sind Hitzerekorde nun erst einmal kein Thema mehr. Die neue Woche soll laut deutschem Wetterdienst regnerisch und mit Höchsttemperaturen zwischen 18 und 24 Grad beginnen. Trotzdem wird der Juli insgesamt nach Schätzungen der Meteorologen als einer der zehn wärmsten in die Geschichte eingehen.

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