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Foto: Symbolbild © dpa
07.02.2016

Brutale Fastnacht: Messerstecher und prügelnde Männer beschäftigen Polizei

Tausende Baden-Württemberger haben auf Fastnachtsfesten am Wochenende ausgelassen gefeiert - einige Streits endeten allerdings in blutigen Auseinandersetzungen. Am Rande einer Veranstaltung in Gärtringen (Landkreis Böblingen) rammte ein Unbekannter einem 17-Jähriger laut Mitteilung der Polizei ein Messer in den Bauch. Dem Angriff war demnach ein verbaler Streit vorausgegangen. Von dem Täter fehlte am Sonntag noch jede Spur.

Kurz nach dieser Tat war es in Gärtringen zu einem weiteren Streit gekommen, bei dem ein 16-Jähriger ein Messer zog und am Freitag eine Gruppe junger Männer bedrohte. Polizisten nahmen den Teenager in Gewahrsam und übergaben ihn später an seine Eltern.

Für einen Mann endete der traditionelle «Hänselejuck» in Überlingen am Bodensee mit Stichverletzungen, die laut Polizei ebenfalls von einem Messer stammen dürften. Streifenbeamte trafen den Verletzten am Samstagabend nahe dem Landungsplatz für Fähren an. Er kam zur Behandlung ins Krankenhaus.

In Wernau (Kreis Esslingen) ging eine offenbar organisierte Gruppe, die schwarze Jacken und Aufnäher als Erkennungsmerkmal trug, auf einzelne Fastnachtsbesucher los und verletzte zwei Menschen schwer. Die Opfer kamen nach den Prügelattacken am Samstagnachmittag in Krankenhäuser. Gegen die Schläger sprach die Polizei rund 30 Platzverweise aus und nahm Ermittlungen auf.

In Ludwigsburg wurde ein 19-Jähriger in der Nacht zum Sonntag brutal gegen den Kopf getreten und am Boden weiter traktiert. Er kam mit schweren Kopfverletzungen in eine Klinik. Der Täter entkam unerkannt, von ihm fehlte zunächst jede Spur.

Die meisten Menschen feierten allerdings friedlich und ausgelassen. Der Fastnachtssonntag ist traditionell der Tag mit den meisten Straßenumzügen im Südwesten - die größten fanden in Villingen-Schwenningen, Konstanz und Karlsruhe-Durlach statt. In Konstanz zogen am Sonntagmittag mehr als 80 verschiedene Maskengruppen durch die Gassen - angeführt von der Blätzlebuben Zunft und der Alt Konstanzer Hanselezunft. In Elzach (Kreis Emmendingen) wiederum trieb die Fastnachtsfigur Schuttig ihr Unwesen. Der traditionelle Schuttigsprung in dem kleinen Schwarzwald-Städtchen ist eines der ältesten Narrenspektakel im Südwesten.

Mit zweieinhalb Kilometern Länge und einer Rekordzahl von 116 Zugnummern feierten die Schwesterstädte Ludwigshafen und Mannheim ihren 64. gemeinsamen Fastnachtsumzug. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Rheinpfalz verlief die närrische Großveranstaltung mit rund 200 000 Schaulustigen «friedlich und ruhig». «Die Besucher haben sich anständig verhalten», sagte ein Sprecher.

Rund 3500 Teilnehmer hatten sich – trotz Regen und Wind – ab 13.11 Uhr auf den Weg durch die Ludwigshafener Innenstadt gemacht. In die gut gelaunte Zuschauermenge flogen rund 10 Tonnen Schokoriegel, Gummibärchen, Chips- und Popkorn-Tütchen, aber auch klassische Bonbons.

Mehrere tausend Menschen verfolgten am Samstagabend bei Fackelschein und Feuerwerk den traditionellen Hexensabbat in Waldkirch bei Freiburg. Die Veranstaltung lockt unter anderem wegen der historischen Masken und Gewänder überregional Besucher an. Rund 80 Hexen tanzen dabei um ein großes Feuer und springen über die Flammen, sie bilden die Kulisse für eine mystische Erzählung. Den Hexensabbat in Waldkirch gibt es seit 1975, veranstaltet wird er jährlich zur Fastnacht von Hexen der örtlichen Narrenzunft Krakeelia.

Der Rosenmontag wird nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes im Südwesten aber alles andere als gemütlich. Die Meteorologen rechnen bis in die Niederungen mit Schauern und Sturmböen von bis zu 90 Kilometern pro Stunde. «Große Narrenmasken können da schon durch die Gegend fliegen - und der Besitzer gleich mit», warnte Meteorologe Christoph Hartmann am Sonntag. Die Narren lassen sich bislang aber nicht abschrecken. «Es ist nix abgesagt worden, uns ist nichts bekannt», sagte Volker Gegg von der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte.