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Die Bulldogge ist das Markenzeichen der Black Jackets. In Rottweil stehen mehrere Mitglieder der Gang wegen eines Brandanschlags gegen Mitglieder der United Tribuns vor Gericht. In Pforzheim hat sich die Clique anscheinend aufgelöst.
Die Bulldogge ist das Markenzeichen der Black Jackets. In Rottweil stehen mehrere Mitglieder der Gang wegen eines Brandanschlags gegen Mitglieder der United Tribuns vor Gericht. In Pforzheim hat sich die Clique anscheinend aufgelöst. © PZ-Archiv
07.09.2011

Brutaler Machtkampf im Rocker- und Türsteher-Milieu

Rottweil. Der Machtkampf im Rocker-Milieu im Raum Rottweil führt heute zu einem ersten großen Gerichtsprozess. Acht Mitglieder der Türstehervereinigung Black Jackets müssen sich nach einem Angriff auf die verfeindeten United Tribuns wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht verantworten. Die Türsteher sollen im Februar mit Molotow-Cocktails einen Brandanschlag auf das Clubheim der United Tribuns verübt haben. Mit viel Glück wurde dabei niemand verletzt. Bei der Polizei haben die Angeklagten die Tat weitgehend eingeräumt.

Mehrere Rockerbanden und Türstehervereinigungen liefern sich seit gut einem Jahr einen Kampf um die Vorherrschaft im Kreis Rottweil. Ein Urteil wird in dem Mammut-Prozess erst im Dezember erwartet.

Bei dem Brandanschlag auf das Clubheim der United Tribuns in Deißlingen (Kreis Rottweil) war am 5. Februar durch viel Glück niemand ernsthaft verletzt worden. Die Täter waren mit einem Kleinwagen vorgefahren und hatten mehrere brennende Molotow-Cocktails gegen das Gebäude geworfen. Ein Brandsatz durchschlug das Fenster und setzte den Clubraum in Brand. Die Staatsanwaltschaft leitete daraufhin Ermittlungen wegen versuchten Mordes und besonders schwerer Brandstiftung ein.

Dabei habe sich der Verdacht gegen die sieben Mitglieder der Rockerbande und Türsteher-Vereinigung immer mehr erhärtet. Bei den Vernehmungen hätten die 18 bis 23 Jahre alten Männer die Taten dann zugegeben. In ihren Wohnungen fanden die Ermittler Schusswaffen, scharf geschliffene Schwerter, Macheten und Schlagstöcke.

Im Raum Rottweil ist auch die Rockerbande Outlaws MC ins Visier der Polizei geraten: Mehr als 180 Beamte haben vor rund einem Monat Privatwohnungen, Geschäftsräume und Clubhäuser der gesamten Führungsspitze der Rockerbande, die für die Regionen Schwenningen und Horb zuständig war, durchsucht. Bei der Razzia am Dienstag vergangener Woche wurde ein Waffenarsenal aus scharfen Waffen, Munition, Anscheinswaffen, Stich- und Schlagwerkzeugen entdeckt.

Zudem wurden Betäubungsmittel wie LSD und Marihuana sowie verbotene Arzneimittel, die zum Muskelaufbau verwendet werden, beschlagnahmt. Obendrein klärte die Polizei nach Angaben vom Mittwoch zwei Straftaten aus dem vergangenen Jahr auf.

Die Outlaws MC Germany sind aus dem Ghost Rider MC Germany entstanden, der 1973 von amerikanischen Soldaten im fränkischen Kitzingen gegründet worden war. Ziel war es, die amerikanische Bikerkultur auch nach Deutschland zu bringen. Im Laufe der Zeit kamen immer mehr Clubs und Chapter - regionale Untervereinigungen - hinzu. Die jetzige Gruppierung der Outlwas MC gilt als größter Motorradclub der Welt.

Zwischen den rivalisierenden Rockergruppen der Outlaws und der Hells Angels kommt es wegen Gebietsansprüchen, Macht, Geld auch in Süddeutschland immer wieder zu Auseinandersetzungen. In Pforzheim gab es größere Auseinandersetzungen unter anderem mit Schusswechseln zwischen den Hells Angels, die inzwischen als Verein verboten wurden, und den United Tribuns. Erste Prozesse sind bereits verhandelt worden, allerdings nicht immer mit den von der Staatsanwaltschaft gewünschten Ergebnissen. Auch gegen die Black Jackets liefen in Pforzheim Untersuchungen der Polizei. Diese Clique scheint sich aufgelöst zu haben. dpa