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In Die © Symbolbild: dpa
15.12.2016

Brutaler Raub und scharfe Schüsse: mutmaßlicher Räuber verhaftet

Stuttgart. Ermittler des Landeskriminalamts und Spezialeinsatzkräfte der Polizei nahmen am Donnerstag in den frühen Morgenstunden einen 26-jährigen türkischen Staatsangehörigen in seiner Wohnung im Landkreis Reutlingen fest. Er steht unter Raub-Verdacht. Gleichzeitig wurden die Wohnungen eines 20-jährigen Deutschen und eines 26-jährigen marokkanischen Staatsangehörigen in Stuttgart und im Landkreis Esslingen durchsucht. Sie gelten als mutmaßliche Hehler. Die Beiden und der mutmaßliche Räuber sollen zum Kreis der „Osmanen Germania BC“ gehören.

Der Festgenommene soll gemeinsam mit einem bislang unbekannten Mittäter Anfang September einen 29-jährigen Tunesier in einer Wohnung in Sindelfingen mit einer Waffe bedroht und geschlagen haben. Anlass war eine Geldforderung von 10.000 Euro gegen den Sindelfinger Wohnungsbesitzer, einen 29-jährigen Franzosen. Nachdem die mutmaßlichen Räuber lediglich den Cousin des Franzosen in der Wohnung antrafen und dieser die Geldforderung nicht bezahlen konnte, sollen sie unter Ausübung von Waffengewalt mehrere Halsketten, Uhren und vorhandenes Bargeld geraubt haben.

Etwa eine Woche nach dem Raub soll der jetzt Festgenommene seiner Geldforderung Nachdruck verliehen haben, indem er aus einer Schusswaffe mehrere Schüsse auf die Wohnung des Franzosen abgab.

Bei den Durchsuchungen wurde umfangreiches Beweismittel, darunter Schmuck, Smartphones, Datenträger und rockertypische Insignien sichergestellt. Die Auswertung der Beweismittel sowie Ermittlungen zu den Hintergründen der Raubstraftat dauern an. Durch umfangreiche Ermittlungen konnte zunächst der 26-jährige tatverdächtige Türke identifiziert werden. Die zwischenzeitlich durch das LKA in einer gemeinsamen Gruppe mit den Polizeipräsidien Ludwigsburg und Stuttgart sowie der Bundespolizeidirektion Stuttgart weitergeführten Ermittlungen führten zu den mutmaßlichen Abnehmern des geraubten Schmuckes, deren Wohnungen nun durchsucht wurden.

Alle drei Beschuldigten werden der rockerähnlichen Gruppierung „Osmanen Germania BC“ zugerechnet. Diese national-türkisch ausgerichtete Gruppierung fällt aktuell im Großraum Stuttgart vor allem durch Machtdemonstrationen und Auseinandersetzungen mit der kurdisch geprägten Gruppe „Bahoz“ auf. Der Festgenommene wurde nach Vorführung beim Haftrichter in eine Justizvollzugsanstalt eingeliefert.

Osmanen auch in Pforzheim aktiv

Die Osmanen haben dieses Jahr auch schon in Pforzheim für Aufsehen gesorgt. In einer Disko auf der Wilferdinger Höhe sollte ein lokales Chapter – gewissermaßen ein Ortsverein – im Rahmen eines „World Meetings“ gegründet werden. Die Polizei, die mit starken Kräften – rund 160 Beamte, darunter die Pforzheimer Außenstelle der Fahndung sowie Angehörige der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) des überregionalen Polizeipräsidiums Einsatz – vor Ort war und die Personalien der Osmanen aus ganz Deutschland aufnahm, spricht von etwas über 200 Teilnehmern. Bisher, so Erkenntnisse des Landeskriminalamts (LKA), gab es sechs Chapter in Baden-Württemberg: in Mannheim, Heidelberg, Stuttgart, Heilbronn, Konstanz und Ravensburg. Die Gründung eines Pforzheimer Ablegers war für Anfang dieses Jahres anvisiert.

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