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Lichtgestalt: Ein Teilnehmer des Christopher Street Day (CSD) posiert in Stuttgart als Kronleuchter. © dpa
26.07.2014

Bunt und politisch - Christopher Street Day in Stuttgart

Ob in krakenartigen Luftballon-Kostümen oder als Dragqueen auf Stelzen: Unter dem Motto «Wir machen Aufruhr!» sind am Samstag beim Christopher Street Day 67 Formationen mit über 3500 Teilnehmern durch Stuttgart gezogen. Der Organisator, Christoph Michl, sprach vom bisher größten Schwulen-und-Lesben-Festival in Stuttgart.

Bildergalerie: Stuttgart feiert 18. Christopher Street Day

«Wir haben den Bildungsplan-Gegnern ein leuchtendes Zeichen gesetzt - Stuttgart ist und bleibt bunt», sagte er. Der umstrittene Bildungsplan, der in Baden-Württemberg von 2016 an gelten soll, besagt unter anderem, dass die Schüler lernen sollen, auch sexuelle Vielfalt zu akzeptieren.

Die Bewegung erinnert an Proteste in New York, die in diesem Sommer ihr 45-Jahr-Jubiläum haben: Am 27. Juni 1969 setzten sich dort zum ersten Mal Schwule, Lesben und Trans-Menschen gemeinsam gegen staatliche Willkür und gewaltsame Übergriffe der Polizei zur Wehr. Schauplatz war damals die Bar «Stonewall Inn» in der Christopher Street - daher auch der englische Name «Christopher Street Day» oder kurz CSD. Auch die 18. schwul-lesbische Polit-Parade in Stuttgart wollte auf die Belange von lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, transgender, intersexuellen und queeren Menschen aufmerksam machen.

Unter den Teilnehmern: Laura Halding-Hoppenheit, Gründerin der Stuttgarter Schwulen- und Lesben-Diskothek «Kings Club» und Stadträtin für die Linke. «Ich wünsche mir, dass niemand mehr fragt, was man ist. Ich liebe meine Schwulen - das sind meine Kinder und ich werde weiter für sie kämpfen», sagt sie. Der Pfarrer der schwulenfreundlichen «Metropolitan Community Church», Axel Schwaigert, begrüßte, dass dieses Jahr auch eine Fußgruppe des 35. Deutschen Evangelischen Kirchentags Stuttgart 2015 anwesend war. «Es laufen hier nicht nur Dragqueens und Männer in Leder mit, sondern christliche Gemeinden, die ein Zeichen setzen wollen.»

Der Stuttgarter Schwulenbar-Besitzer Christopher Ruben Koch war zum achten Mal beim CSD in Stuttgart. Er hofft, dass es bald ein Ende habe, wegen Menschenrechten auf die Straße gehen zu müssen. Er wünsche sich, diesen Tag irgendwann als «Feiertag der Vielfältigkeit» gemeinsam zelebrieren zu können. Zum ersten Mal in diesem Jahr waren die Unternehmen Daimler und Bosch mit Lastwagen vertreten - und die Landeshauptstadt mit einer etwa 60 Teilnehmer umfassenden Fußgruppe.

Der Veranstalter machte auf eine Kooperation mit dem Stadtmuseum Stuttgart aufmerksam: «Um die Geschichte der Homosexualität im Südwesten aufzuarbeiten, werden derzeit Geschichten und Zeitgegenstände gesammelt, um im Jahr 2017 im Wilhelmspalais ausgestellt zu werden.»

Nach der Abschlusskundgebung auf dem Schlossplatz wurde am Samstag auf dem 23. Stadtfest der Aids-Hilfe Stuttgart weitergefeiert. Nach dem Ende der Programm- und Kulturwoche am Sonntag zieht die Regenbogen-Flagge weiter: Der nächste CSD im Südwesten ist am 2. August in Neu-Ulm.