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Das Fahren mit Bussen und Straßenbahnen wird im Südwesten erneut teurer.
Bus und Bahn werden teurer: Schülerschwund spürbar © dpa
28.08.2012

Bus und Bahn werden teurer: Schülerschwund spürbar

Das Fahren mit Bussen und Straßenbahnen wird im Südwesten erneut teurer. Die Preissteigerungen bei den Verkehrsverbünden bewegen sich diesmal zwischen drei und sechs Prozent - je nach Ticketart, ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa. Neben den üblichen Kostentreibern Sprit, Personal und Fuhrpark machen den Verbünden zunehmend auch die sinkenden Schülerzahlen zu schaffen: Weniger Schüler kaufen weniger Tickets.

Allein im Netz der Donau-Iller-Nahverkehrsverbund-GmbH (Ding) fuhren 2011 rund 1,2 Prozent weniger Schüler mit Bus und Bahn. «Weil der Schülerverkehr mit über 50 Prozent der Fahrgäste das stärkste Gewicht hat, wirkt sich der Rückgang der Schülerzahlen gravierend auf die Situation im Verkehrsverbund aus», erklärte der Verbund. Auch der Verkehrs- und Tarifverbund STUTTGART (VVS) verzeichnet einen Rückgang bei den ScoolTickets.

Bereits zum 1. August hob Ding (Alb-Donau-Kreis, Stadt Ulm, Landkreis Biberach und Landkreis Neu-Ulm) die Fahrpreise um 4,2 Prozent an. «Allerdings wird auch die Höhe der Erlöse aus Fahrscheinverkäufen berücksichtigt», sagte ein Ding-Sprecher der dpa. «Das Fahrplanangebot bleibt unverändert erhalten.» Ein Einzelfahrschein in Ulm kostet nun fünf Cent mehr als vorher. Auch Schüler und Studenten sowie Besitzer von Tages-, Monats- und Abo-Jahreskarten müssen mehr bezahlen.

In KARLSRUHE spürt der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) von den sinkenden Schülerzahlen zwar noch nichts, sagte ein Sprecher. «Allerdings ist uns die demografische Entwicklung bekannt.» Im Moment fielen aber eher die steigenden Studentenzahlen ins Gewicht.

Wie teuer die Tickets im Dezember werden, sei noch nicht entschieden. Die steigenden Personal- und Dieselkosten müssten allerdings ausgeglichen werden, sagte der Sprecher weiter. «In der Regel werden aber nicht die gesamten Kostensteigerungen über Tarifanpassungen weitergegeben.» Der Verbund hofft auch auf eine Erhöhung der kommunalen Zuschüsse. Der Fahrplan wird jedoch nicht ausgedünnt, im Gegenteil: Im September nimmt Karlsruhe eine neue Straßenbahnstrecke in Betrieb.

Im Verkehrsverbund Naldo, zu dem Busse und Bahnen in den Kreisen TÜBINGEN, REUTLINGEN, SIGMARINGEN und ZOLLERNALB gehören, werden die Fahrkarten zum Jahreswechsel durchschnittlich 4,3 Prozent teurer. «Eigentlich hätte die Tariferhöhung deutlich höher ausfallen müssen», sagte Geschäftsführer Dieter Pfeffer. Zu Buche schlugen vor allem steigende Ausgaben für Personal und Diesel. Berufspendler sollen künftig mit 3,7 Prozent mehr zur Kasse gebeten werden. Wer hingegen mit Einzelfahrscheinen fährt, legt ab 2013 fast 6 Prozent mehr auf den Tisch.

Auch der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) plant Anfang 2013 eine Tariferhöhung. Details sollen nach Angaben einer Sprecherin Ende September bekanntgegeben werden. Ermäßigte Tickets etwa für Hartz IV- Empfänger zu einem Preis von einem Euro sind nicht von der Erhöhung betroffen.

Im VVS-Netz in und rund um STUTTGART steigen die Preise zum 1. Januar 2013 um 2,9 Prozent. Ungeachtet der Probleme mit sinkenden Schülerzahlen verzeichnete der Verbund 2011 mit 336 Millionen Fahrten ein Rekordjahr und steuert auch 2012 auf Rekordzahlen zu. «Marktgerechte Tarifsteigerungen können durchaus zu steigenden Fahrgastzahlen führen», sagte eine Sprecherin.

In FREIBURG wiederum führen die steigenden Spritpreise zu einem Paradox: Zwar steigen deshalb immer mehr Pendler auf Bus und Bahn um. Je mehr fahren, desto teurer wird es aber für den Regio-Verkehrsverbund Freiburg (RVF), sagt Geschäftsführerin Dorothee Koch. «Wir müssen investieren und unser Angebot ausbauen. Die zusätzlichen Einnahmen, die wir durch neue Fahrgäste erhalten, reichen dafür aber bei weitem nicht aus.» Preiserhöhungen seien unausweichlich.