nach oben
27.10.2015

CDU: Gemeinschaftsschulen laufen die Schüler weg

Innovativ, beliebt, zukunftsträchtig - so stellt Grün-Rot ihr bildungspolitisches Zugpferd dar, die Gemeinschaftsschule. Doch mit der Popularität ist es nach Überzeugung der CDU-Landtagsfraktion nicht mehr weit her. Aus einer Antwort des Kultusministeriums auf ihre Fragen ergebe sich, dass der Schulart die Schüler weglaufen. «Bei den Eltern hat sich Ernüchterung nach den ersten Erfahrungswerten eingestellt», sagte der CDU-Bildungsexperte Georg Wacker der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart.

Von den derzeit insgesamt 271 Gemeinschaftsschulen hätten fast 29 Prozent (Vorjahr: 25,3 Prozent) weniger als 40 Schüler in der Eingangsstufe. Den geringsten Schülerschwund verzeichnet der Regierungsbezirk Freiburg, wo der Wert bei 17,4 Prozent liegt.

Es gebe neun Härtefälle mit zweimal in Folge sinkenden Schülerzahlen und inzwischen unter 40 Schülern in der Eingangsstufe. Die Gemeinschaftsschule Schwaikheim (Rems-Murr-Kreis) erreicht bereits die kritische Grenze von 16 Schülern in der Eingangsstufe. Wenn sie zweimal in Folge diesen Wert unterschreitet, droht ihr die Schließung. «Hier geht es in Richtung Schmerzensgrenze», sagte Wacker.

Die Schülerzahl 40 war und ist Voraussetzung für die Genehmigung von Gemeinschaftsschulen und soll eine stabile Zweizügigkeit gewährleisten. Überdies hätten im vergangenen Schuljahr von 209 Schulen 124 oder fast 60 Prozent mit sinkenden Schülerzahlen in den Eingangsklassen zu kämpfen gehabt.

Viele Mütter und Väter hätten offenbar infolge Rückmeldungen von der Gemeinschaftsschule enttäuschter Eltern den Glauben an diese Schulart verloren und ihren Nachwuchs anderen Schularten anvertraut. «Sowas spricht sich ja vor Ort rum», meinte Wacker. Insbesondere eine mangelhafte individuelle Förderung schwacher Schüler und die Rolle des Lehrers ausschließlich als Lernbegleiter statt als Orientierung gebende Lehrerpersönlichkeit seien aus Sicht der Eltern die Haken an der Gemeinschaftsschule.

«Der Eindruck, es handele sich um eine zukunftssichere Schulart, den Grün-Rot vermitteln will, ist mit einem dicken Fragezeichen zu versehen», betonte Wacker. Auch die Schulträger sollten sich gut überlegen, ob sie Geld für diese Schulart in die Hand nehmen. «Solche Investitionen sind auf Sand gebaut.» Der Hinweis von Kultusminister Andreas Stoch (SPD), die Gemeinschaftsschule sichere Schulstandorte im ländlichen Raum, sei mit Vorsicht zu genießen.

Wacker warf der Landesregierung vor, bei der Genehmigung von Schulen zu laxe Maßstäbe angelegt zu haben. «Die Genehmigungen beruhen auf unscharfen Prognosen für die Schülerzahlen, die eher den Hoffnungen von Grün-Rot entsprechen als der Realität.» Das betreffe etwa die angenommenen Übergangszahlen von der Grundschule auf die weiterführende Schule. Zu positive Annahmen hätten dazu geführt, dass zu viele Standorte genehmigt worden seien, erläuterte Wacker.

Die CDU will im Falle eines Wahlsieges bei der Landtagswahl im März 2016 keine neuen Gemeinschaftsschulen genehmigen und die bestehenden hinsichtlich Lehrer- und Sachausstattung und mit den anderen Schularten gleichstellen. Die Christdemokraten setzen stattdessen auf eine Realschule, in der nach einer zweijährigen Orientierungsphase nach Leistung differenziert in Richtung Hauptschulabschluss oder Mittlere Reife unterrichtet wird. In der Gemeinschaftsschule, wo auch auf Gymnasialniveau gelehrt wird, ist räumlich separater Unterricht in einer Klassenstufe nicht vorgesehen.

Dem Kultusministerium liegen derzeit 32 Anträge von Schulträgern auf Einrichtung einer Gemeinschaftsschule vor. Über sie soll Anfang Februar 2016 entschieden werden.