nach oben
Sollte der CDU bei der Landtagswahl 2016 die Rückkehr an die Schalthebel der Macht gelingen, soll der Ausbau der unter Grün-Rot eingeführten Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg gestoppt werden. Foto: dpa
Sollte der CDU bei der Landtagswahl 2016 die Rückkehr an die Schalthebel der Macht gelingen, soll der Ausbau der unter Grün-Rot eingeführten Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg gestoppt werden. Foto: dpa
12.08.2015

CDU will Gemeinschaftsschule kippen

Stuttgart. Sieben Monate vor der Landtagswahl lässt die oppositionelle CDU in der Bildungspolitik nicht locker. So soll es unter einer CDU-geführten Landesregierung keine neuen Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg geben. Dies machte der Spitzenkandidat zur Landtagswahl 2016, Guido Wolf, jetzt noch einmal klar. „Wir werden als CDU-geführte Landesregierung keine neuen Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg gründen“, sagte der Herausforderer von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) in Stuttgart.

Zugleich räumte er ein, dass die Frage eines acht- oder neunjährigen Gymnasiums (G8, G9) in der Partei umstritten sei. „Wir werden die endgültige Entscheidung auf dem Parteitag im November fällen“, sagte Wolf. Für ihn sei die Frage allerdings falsch gestellt. „Sie darf nicht lauten: G8 oder G9? Die Frage muss lauten: Was müssen wir tun, um an unseren Gymnasien maximale Qualität zu gewährleisten?“

Das sogenannte Turbo-Abitur in acht Jahren war noch unter der früheren Landeskultusministerin Annette Schavan (CDU) in Baden-Württemberg eingeführt worden. Das früher übliche, neunjährige Abitur gibt es heute im Südwesten nur an 44 Modellschulen, darunter am Theodor-Heuss-Gymnasium in Pforzheim und am Lise-Meitner-Gymnasium in Königsbach-Stein. SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel hatte einst gefordert, das G9 an mehr Gymnasien zu ermöglichen – die Grünen sind aber dagegen.

Nun gab sich Schmiedel in einem Zeitungsinterview zurückhaltender. „Wir wollen die Erfahrungen aus den 44 Schulversuchen mit G9 sammeln und dann entscheiden, wie es weitergeht.“ Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 halte er zwar für gut. „Aber ich bin nicht als Solist unterwegs.“ Grün-Rot habe sich darauf verständigt, die Ergebnisse der Überprüfung abzuwarten. „Deshalb fällt die Entscheidung, ob es Wahlfreiheit oder andere Angebote gibt, in der nächsten Legislaturperiode“, kündigte er an.

Wolf beteuerte, dass er gegen die Wiedereinführung der von Grün-Rot abgeschafften verbindlichen Grundschulempfehlung sei. „Wir hätten sie nicht abgeschafft. Sie aber nach fünf Jahren wieder einzuführen, hielte ich für den falschen Weg.“ Er befürwortete aber ein verpflichtendes Beratungsgespräch auf Basis der Grundschulempfehlung.

Kultusminister bleibt gelassen

Dass die CDU im Wahlkampf mit dem Bildungsthema punkten kann, das glaubt Kultusminister Andreas Stoch (SPD) jedoch nicht. „Die Opposition kann keine Alternativen zum zweigliedrigen Schulsystem, zur Inklusion und zum Ausbau von Ganztagsschulen bieten“, sagte er. „Auch die Attacken gegen die Gemeinschaftsschulen laufen ins Leere, weil viele CDU-Kommunalpolitiker diese Schulart sehr schätzen.“

Die Grünen-Bildungsexpertin Sandra Boser meinte: „Guido Wolf sehnt sich zurück nach einem alten dreigliedrigen Schulsystem, dem Eltern und Schüler per Abstimmung mit den Füßen längst den Boden entzogen haben.“ Ein eigenes Gesamtkonzept, wie angesichts sinkender Schülerzahlen im Land alle Schulabschlüsse erhalten bleiben könnten, habe der CDU-Spitzenkandidat nicht. „Die Gemeinschaftsschule hat dagegen inzwischen eine hohe Anziehungskraft.“

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger steht Gemeinschaftsschulen abwartend gegenüber. „Ob die Gemeinschaftsschule richtig ist, muss sich erst noch zeigen“, sagte Dulger. „Noch gibt es ja keine Absolventen.“ In der Gemeinschaftsschule werden Schüler mit der Empfehlung für das Gymnasium, für die Realschule sowie für die Haupt- und Werkrealschule in einem Klassenverband unterrichtet.