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Hartmut Schick, Leiter der Bus-Sparte, sitzt nach einer Präsentation eines neuen Omnibuses im Daimler-Werk in Mannheim. Der Sparplan trägt den Namen <<Globe 2013>>. Fotos: dpa
Rund 7000 Mitarbeiter haben bei Daimler eine ungewisse Zukunft
12.03.2012

Daimlers Bus-Sparte streicht bis zu 700 Jobs

Stuttgart (dpa) - Gut 7000 Mitarbeiter der Bus-Sparte bei Daimler blicken unsicheren Zeiten entgegen. Der Autobauer streicht Hunderte Stellen an den Standorten Mannheim und Ulm/Neu-Ulm, wie der Konzern am Montag in Stuttgart bestätigte. «Wir werden jeden Stein umdrehen und nichts aussparen. Das gilt vor allem für die EvoBus. Dort müssen wir am meisten aufholen», sagte der Leiter des Geschäftsfeldes Daimler-Busse, Hartmut Schick. Die Tochter EvoBus GmbH zählt an den Standorten Mannheim und Ulm/Neu-Ulm 7280 Arbeitsplätze. Maximal zehn Prozent, also gut 700 Jobs, könnten den Sparplänen zum Opfer fallen. Betriebsbedingte Kündigungen schließt Daimler aber bis 2017 aus.

Die Einschnitte waren bereits vergangene Woche bekanntgeworden, nachdem Daimler die Belegschaften vom Vorhaben informiert hatte. Der Sparplan trägt den Namen «Globe 2013». Ein Volumen für die Kosten, mit denen Betriebe bei solchen Programmen für gewöhnlich kalkulieren, nannte Schick nicht. Unklar ist auch die Höhe der möglichen Einsparungen, die die Kostenoffensive andererseits bringen soll.

Fakt ist, dass die Umsatzrendite der Sparte - also das Verhältnis von operativem Gewinn zu den Erlösen - 2011 um einen Punkt auf 3,7 Prozent zurückgegangen war. Das Ziel ist aber 6 Prozent Rendite. Dafür wären bei knapp 4,42 Milliarden Euro Umsatz 2011 etwa 265 Millionen Euro Betriebsergebnis vonnöten gewesen. Raus kamen aber nur 162 Millionen Euro. Macht eine Differenz von etwa 100 Millionen.

Daimlers Bus-Sparte fährt ein zweigleisiges Geschäftsmodell. Die nach eigenen Angaben weltweite Nummer eins im Busgeschäft bietet einerseits komplette Fahrzeuge mit durchgängiger Karossiere an. Damit ist Daimler in Europa und in Nordamerika unterwegs. Alle anderen Märkte - Lateinamerika, Afrika und Asien - bedient der Konzern mit Fahrgestellen, auf die Partnerfirmen den Rest draufsetzen.

Geld verdient Daimler aber vor allem mit den Komplettbussen, das Fahrgestellgeschäft ist weitaus margenschwächer. Das Problem dabei: Genau die Märkte für Komplettbusse sind jüngst rückläufig. Daimler muss daher gegensteuern und zusehen, wie sich ein eher stagnierender Absatz mit dem Drehen der Kostenschraube weiter optimieren lässt.

Eine erste Auswirkung des Trimmens auf Rendite: Der Bus Travego wird künftig komplett in der Türkei hergestellt. Dort im Werk Istanbul-Hosdere arbeiten etwa 3600 Menschen für Daimler.

Auf welchen Wegen und wie schnell der Stellenabbau erreicht werden soll, wollte Schick noch nicht sagen. Er verwies auf eine Runde mit den Arbeitnehmervertretern diesen Donnerstag. Der Manager betonte, dass die Pläne die Leistungsfähigkeit auf lange Sicht wahren sollen und der Mehrheit der Belegschaft damit zugutekämen. «Wir werden alles sozialverträglich gestalten.» Möglichkeiten für den Jobabbau sind etwa Altersteilzeitregeln oder Angebote für einen Wechsel auf andere Arbeitsplätze im Konzern. Schick bekräftigte, dass Daimler zu den deutschen Standorten stehe und keine Werksschließungen plane.