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Großartiger Musiker: Jan Delay überzeugte beim Karlsruher Open-Air-Festival "Das Fest" mit tanzbarer und perfekt gemachter Musik. © dpa
24.07.2010

"Das Fest": Schlechte Witze, gute Musik von Jan Delay

KARLSRUHE. Durch Schlamm und tiefe Pfützen mussten sich die Besucher von „Das Fest“ in Karlsruhe kämpfen. Doch was ein echter Open-Air-Fan ist, lässt sich von so etwas natürlich nicht beeindrucken - ebenso wenig von der Tatsache, dass das Spektakel in der Fächerstadt zum ersten Mal Eintritt kostete. Mehr als 50.000 Menschen feierten den Festauftakt mit Soul- und Reggae-Rhythmen von Sänger Jan Delay.

Bildergalerie: Rückblick: "Das Fest" 2010

„Ihr seid echt ein imposanter Fleischberg“, staunte der deutsche Musiker. Der große Hügel in der Karlsruher Parkanlage, in der „Das Fest“ seit jeher steigt, bildete die Zuschauerränge. Dicht gedrängt standen die meist jungen Leute, um den extravagant gekleideten Sänger zu sehen - und vor allem zu hören. In pinkfarbenem Hemd, mintgrünem Anzug, weißem Hut und großer Sonnenbrille fegte Jan Delay über die Bühne und wechselte von Discoklängen zu Soul, Pop und Reggae.

Seine drei Backgroundsängerinnen in knappen goldenen Kleidern hüpften barfuß herum und begeisterten die Zuschauer ganz nebenbei mit gekonnten Tanzeinlagen. Zuvor hatte Delay die Menge mit Coversongs und schlechten Witzen auf Touren gebracht. Auf den Spruch: „Ihr seid ja gar nicht Karlsruhe, sondern Karlslärm“ folgten Buhrufe und Pfiffe. Auch der Kommentar über die noch zaghaften Jubelrufe „Das klingt ja echt nach fünf Euro“ kam nicht sonderlich gut an - er spielte auf das Eintrittsgeld an.

Doch ein bisschen Provokation gehört bei Delay zum Programm. „Ich glaube, meine Band schämt sich für mich“, meinte dann auch der Sänger selbst. Seine Fans nahmen es dem 33-Jährigen jedoch nicht übel, mit jedem Lied stieg die Stimmung. Der Festhügel kam immer mehr in Bewegung - wegen der sehr engen Verhältnisse schon ein kleines Kunststück: Die Veranstalter hatten ausgerechnet, dass sich zwei Zuschauer einen Quadratmeter teilen, wenn 60.000 Tickets verkauft werden.

So viel Platz wäre Luxus gewesen, da natürlich alle gerne einen Blick auf die Bühne erhaschen wollten. Im unteren Teil des abgesperrten Geländes, wo eine große Leinwand aufgebaut war und man die Show ebenfalls verfolgen konnte, war es dagegen vergleichsweise leer.

Nach Sicherheitsproblemen wegen Überfüllung und hohen finanziellen Verlusten stand „Das Fest“ im vergangenen Jahr vor dem Aus. Mit einer neu gegründeten Veranstaltungs-GmbH, einem geänderten Konzept und erstmals verlangten Eintrittspreisen für einen Teil des Geländes wurde die größte Musikveranstaltung Karlsruhes unter freiem Himmel jedoch gerettet. Kontrollen an den Eingängen und ein Zaun um die Hauptbühne sollten in diesem Jahr für mehr Sicherheit sorgen.

Mehrere hundert Künstler hatten sich von Freitag bis Sonntag auf den fünf Bühnen angesagt - darunter Ärzte-Sänger Bela B, die deutsche Band Stanfour („For all lovers“) und Reggaesänger Gentleman. Am Freitagabend waren auch die Nebenbühnen gut besucht: 20000 Menschen zählte der Veranstalter hier.