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Er hatte den Missbrauch publik gemacht: Detlev Zander. Foto: dpa
Er hatte den Missbrauch publik gemacht: Detlev Zander. Foto: dpa
14.08.2018

Das Leid der Heimkinder: Arbeitszwang in Brüdergemeinde Korntal

Korntal. In den Heimen der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal (Kreis Ldwigsburg) haben Kinder einem Bericht zufolge nicht nur sexualisierte Gewalt, sondern auch Arbeitszwang erlebt. Das ARD-Magazin „Report Mainz“ berichtet, im Auftrag der Brüdergemeinde habe der Wissenschaftler Benno Hafeneger von der Universität Marburg die Akten zu Korntal ausgewertet.

„In den 50er-, 60er- und Anfang der 70er-Jahre sind Kinder systematisch in die Arbeit hineingezwungen worden“, sagte er dem Magazin. „Wenn die Kinder ihre Arbeit nicht ordentlich gemacht haben oder nicht so schnell, nicht so systematisch, wie das erwartet wurde, sind sie auch bestraft worden.“

Im Juni hatten Experten einen Abschlussbericht zur körperlichen und sexualisierten Gewalt in Korntal vorgelegt. Von mehr als hundert Betroffenen gaben rund 63 Prozent an, Arbeitszwang in Korntal erlebt zu haben. Laut „Report Mainz“ hat die Brüdergemeinde mittlerweile Anerkennungsleistungen in Höhe von 1000 bis 20.000 Euro an ehemalige Heimkinder gezahlt. Betroffene sagten dem Magazin, sie empfänden die Summen als Hohn, weil sie nicht angemessen seien.

Die pietistische Brüdergemeinde in Korntal hat nach eigenen Angaben 1500 Mitglieder. Bis zu 300 Heimkinder haben nach Angaben von Opfergruppen bis in die 80er-Jahre Gewalt und sexuellen Missbrauch in Korntal erlebt. Die Fälle wurden vor rund vier Jahren von einem der Opfer, Detlev Zander, öffentlich gemacht.