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Hat er einen Polizisten absichtlich mit seinem Auto überrollt - oder hielt er den Beamten in Zivil tatsächlich für einen Angreifer? Ein 21-jähriger Drogenhändler steht zum zweiten Mal vor dem Landgericht in Tübingen.
Hat er einen Polizisten absichtlich mit seinem Auto überrollt - oder hielt er den Beamten in Zivil tatsächlich für einen Angreifer? Ein 21-jähriger Drogenhändler steht zum zweiten Mal vor dem Landgericht in Tübingen. © dpa
13.12.2015

Dealer überrollt Polizist: Prozess um versuchten Mord startet erneut

Tübingen. Er soll einen Polizisten in Zivil erst angefahren und dann absichtlich mit dem Auto überrollt haben - vor dem Landgericht in Tübingen wird am Montag, 14. Dezember, der Prozess wegen versuchten Polizistenmordes gegen einen 21-Jährigen erneut aufgerollt. Das erste Verfahren war Mitte Oktober wegen eines kranken Richters kurz vor Abschluss abgebrochen worden.

Der junge Mann hat nach Ansicht der Staatsanwaltschaft zusammen mit Komplizen von Rottenburg (Kreis Tübingen) aus mit Marihuana gehandelt. Als ihn in der Nacht des 11. März die Polizei in Stuttgart bei einem verdeckten Einsatz festnehmen wollte, soll der 21-Jährige versucht haben, mit seinem Wagen zu fliehen.

Dabei fuhr er einem Polizisten über den Fuß, so dass dieser zu Boden ging und unter das Auto gezogen wurde. Der Angeklagte soll danach den Beamten bewusst überfahren haben. Der Mann wurde schwer verletzt.

Beim vorherigen Verfahren hatte der Beschuldigte ausgesagt, dass er den Polizisten weder vorsätzlich verletzen noch töten wollte - er sei in Panik geraten, habe aber sofort angehalten, als er beim Anfahren einen Widerstand spürte. «Der Angeklagte gab an, dass er sich in einer Notwehrlage befand», hatte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft im Oktober gesagt.

Demnach habe der 21-Jährige seinen eigenen Angaben nach gedacht, dass es sich bei den Beamten um einen Angreifer gehandelt habe. Er habe sich demnach bedroht gefühlt, als die Polizeikräfte auf seinen Wagen zuliefen. Den Handel mit über zehn Kilogramm Marihuana hatte der 21-Jährige in der Verhandlung nicht bestritten. Ein Urteil wird am 22. Dezember erwartet.

Kürzere Verfahren dürfen nach Angaben des Landgerichts Tübingen nur für drei Wochen unterbrochen werden - sonst muss neu verhandelt werden. Der Richter war im ersten Verfahren langfristig erkrankt. Im September war bereits in Mannheim ein zweites Mal ein großer Drogenprozess gestartet, weil während des ersten Verfahrens der Vorsitzende Richter erkrankt war.