nach oben
Der Schauspieler Markus Pfeffer spielt in der ARD-Serie "Die Fallers" einen an Demenz erkrankten Reitlehrer, Szenenfoto vom 30.04.2015 am Drehort in Furtwangen.
Der Schauspieler Markus Pfeffer spielt in der ARD-Serie "Die Fallers" einen an Demenz erkrankten Reitlehrer, Szenenfoto vom 30.04.2015 am Drehort in Furtwangen. © dpa
21.10.2016

Demenz als Thema: «Die Fallers» kämpfen gegen das Vergessen

Furtwangen. Der agile Reitlehrer wird von der Diagnose aus seinem gewohnten Leben gerissen. Die Angehörigen schauen hilflos zu, wie die unheilbare Krankheit ihren Lauf nimmt - und aus dem jungen Mann einen anderen Menschen macht. Die Fernsehserie «Die Fallers» aus dem Schwarzwald macht Demenz zu einem ihrer Schwerpunkte in den nächsten eineinhalb Jahren. Schauspieler Markus Pfeiffer erkrankt in der Serie daran. Es ist der Versuch, ein gesellschaftlich relevantes Problem zu beleuchten, Betroffenen eine Hilfestellung zu geben. Und Demenz aus der Tabuzone zu holen.

An diesem Sonntag, 19.15 Uhr im SWR Fernsehen, beginnt die realitätsnahe Familiengeschichte. «Stunde der Wahrheit» lautet der Titel der Folge, die Demenz zum künftigen Schwerpunkt macht.

«Einen an Demenz Erkrankten zu spielen, ist die größte Herausforderung in meiner bisherigen Tätigkeit als Schauspieler», sagt Pfeiffer. Der 49-Jährige verkörpert in der seit 1994 laufenden, wöchentlichen Unterhaltungsserie des Südwestrundfunks (SWR), die den Alltag einer Schwarzwälder Bauernfamilie erzählt und unter anderem in Furtwangen gedreht wird, den Reitlehrer Matthias Faller. Mit Anfang 40 erkrankt der an Demenz. Familie, Angehörige und Freunde reagieren mit Ohnmacht auf die Krankheit, die es aufgrund der älter werdenden Gesellschaft in Deutschland immer häufiger gibt.

«Demenz ist in weiten Teilen immer noch ein Tabu», sagt Redakteurin und Drehbuchautorin Bettina Bauer-Wörner. «Damit konfrontiert zu werden, macht hilflos.» Familie und Freunde wüssten meist nicht, wie sie mit der Erkrankung und den Folgen umgehen sollen. So ging es auch den Machern der Serie, als sie sich erstmals dem Thema widmeten. Ziel sei es, Angehörige zu bestärken, über Demenz zu sprechen und Hilfe anzunehmen.

«Demenz verändert einen Menschen grundlegend und überfordert seine Umgebung», sagt Bauer-Wörner. Die Krankheit ergreife Besitz von dem Betroffenen, sorge für Gedächtnisverlust, verursache unberechenbare Wesensveränderungen und mache Angehörige ratlos. Nicht nur alte Menschen seien betroffen, auch Jüngere können erkranken. «Je mehr man über diese Krankheit weiß, umso einfacher ist es, mit ihr zu leben und mit ihr klar zu kommen», sagt die Drehbuchschreiberin.

Drei Jahre haben Bauer-Wörner und ihre Kollegen das Thema vorbereitet, sich mit Experten und Selbsthilfegruppen getroffen. Und den Rat von Fernsehzuschauern eingeholt. Fachlich stand der Pflegestützpunkt des Landratsamtes Rastatt zur Seite. «Für Angehörige ist es wichtig, sich austauschen zu können, damit sie mit dem Betroffenen mit der Krankheit nicht alleine gelassen werden», sagt die Leiterin der kreisweiten Beratungsstelle, Anja Frischkorn.

Demenz im Fernsehen in einer Unterhaltungsserie darzustellen, sei eine Gratwanderung. «Aber es kann helfen, über die Krankheit zu informieren und Menschen für das Thema zu sensibilisieren.» Die Unwissenheit sei groß, «obwohl nahezu jeder mit Demenz in irgendeiner Form konfrontiert wird, oft auch in der eigenen Familie.»

Das Thema passe daher zu der Serie, sagt «Fallers»-Redaktionsleiter und Producer Tobias Jost. «Wir zeigen keine Heile Welt, sondern den Alltag der Menschen.» Dazu gehöre auch Demenz: «Das Fernsehen kann vielleicht auch ein Stück Lebenshilfe geben.» Es sei der Versuch, ein Problem zu beschreiben, ohne voyeuristisch zu sein. Die Krankheit werde zwar sehr präsent sein in der Serie, aber es würden auch weiterhin andere Themen und Handlungen erzählt.

Auch die Deutsche Alzheimer-Gesellschaft sieht Handlungsbedarf. «Wir raten dazu, Hilfe anzunehmen», sagt die Vorsitzende Monika Kaus. Mehr Aufklärung sei nötig: «Viele Menschen scheuen sich, über diese Krankheit zu sprechen, auch weil sie nicht ihre persönlichen Ängste und Schwächen preisgeben wollen.» Es mache Sinn, Unterstützung anzunehmen, heißt es auch beim Bundesgesundheitsministerium und der Weltgesundheitsorganisation. Hierfür gebe es zahlreiche Angebote wie Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen oder ein Alzheimer-Telefon.

Schauspieler Pfeiffer, der als Synchronsprecher unter anderem die deutsche Stimme von Hollywood-Star Tom Cruise ist, hat bei den Dreharbeiten über die Krankheit gelernt. «Es kann jeden treffen», sagt er. «Ich persönlich habe daraus eine wertvolle Erkenntnis gewonnen: Den Moment schätzen lernen, auch gemeinsam mit der Familie. Der jetzige Moment ist der wertvollste Moment, den wir alle haben.»