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Viel Arbeit steht den Präparatoren bevor, um aus dem tiefgefrorenen Wolf ein ansehnliches Ausstellungsstück zu machen. Foto: Deck
Viel Arbeit steht den Präparatoren bevor, um aus dem tiefgefrorenen Wolf ein ansehnliches Ausstellungsstück zu machen. Foto: Deck
08.09.2015

Der überfahrener Wolf kommt ins Naturkundemuseum Karlsruhe

Karlsruhe. Er war jung und stark und hatte Pech. Anfang Juni starb er unrühmlich nahe der A5 bei Lahr – er wurde überfahren. Jetzt sieht der Wolf seiner Wiederauferstehung im Naturkundemuseum Karlsruhe entgegen.

Nach zahlreichen Untersuchungen im Berliner Institut für Zoo- und Wildtierforschung liegt der Kadaver seit Mitte August in dem Museum in der Fächerstadt. Dort soll er „wiederaufbereitet“ werden – „vermutlich als Skelett“, sagt Kurator Albrecht Manegold.

Das Fell sei durch den Unfall und vor allem durch die beim Fund des Tieres schon fortgeschrittene Verwesung vermutlich nicht mehr zu gebrauchen. Teilweise gingen die Haare aus; auch Maden seien im Fell gewesen, sagt Manegold. Der Schädel sei jedoch sehr gut erhalten und auch die Knochen seien vermutlich in überwiegend gutem Zustand. Der Kadaver müsse zunächst mechanisch mit Messern und anderen Werkzeugen „grob entfleischt“ werden.

Die dann noch verbliebenen Reste könnten beispielsweise mithilfe von Speckkäferlarven abgefressen werden, erklärt Manegold. „Das gibt sehr saubere und schöne Resultate.“ Der Wolf muss aber noch warten; andere Projekte haben zunächst Vorrang bei den Tierpräparatoren des Museums.

Der aus der Schweiz stammende Rüde war im Juni am Straßenrand im Ortenaukreis gefunden worden – vermutlich zwei bis drei Tage nach seinem Tod. „Da es sehr heiß war, war er in keinem sehr guten Zustand mehr“, sagt Manegold. Das etwa ein Jahr alte Tier ist der erste im Südwesten nachgewiesene Wolf seit seiner Ausrottung dort vor gut 150 Jahren.

Tiefgefroren sieht er nicht mehr richtig gefährlich aus. Für den Transport aus Berlin wurde er quasi einmal zusammengefaltet und ist unaufgetaut zu einer Art Rechteck erstarrt. Penisknochen und Schädel wurden für besondere Untersuchungen schon Wie der Schweizer Wolf in den Südwesten kam – man weiß es nicht. Die genaue Wanderroute sei unbekannt, sagt Wildtierökologe Micha Herdtfelder von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) in Freiburg. Das Tier trug keinen Sensor. Fest steht: „Er war gesund und in gutem Ernährungszustand, im Magen fand man Haare von einem Beutetier, vermutlich ein Reh.“