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Kleidung, Schmuck, Alltagsgegenstände aller Art - die Eunique bedient den Individualisten, der Lust auf das besondere Design hat.
Kleidung, Schmuck, Alltagsgegenstände aller Art - die Eunique bedient den Individualisten, der Lust auf das besondere Design hat. © dpa
27.05.2011

Design-Messe Eunique: Eldorado für Individualisten

KARLSRUHE. Gläserne Schalen, geschwungene Holzkommoden und Rüschenkleider - auf der Design-Messe Eunique, bis Sonntag, 29. Mai, in der dm-arena der Messe Karlsruhe zu sehen, ist für fast jeden Geschmack und Geldbeutel etwas dabei. Das teuerste Stück ist ein Silbertopf, der auf vier Ebenholzbeinen schwebt, erschaffen vom französischen Designer Roland Daraspe.

Die Franzosen sind in diesem Jahr das Partnerland der Messe. Sie wird zum dritten Mal organisiert. Ziel ist, sich als «der Treffpunkt für Kunsthandwerker» in Europa zu etablieren. «Hier sind die Designer wirklich unter sich,» sagt Cornelius Réer von der Nürnberger Glaswerkstätte, der früher einen Stand bei der Frankfurter Ambiente hatte. «Dort haben aber inzwischen die großen Firmen die Macht übernommen - und die Kunsthandwerker sind nur noch Beiwerk.» Réer, der mit seinen kunstvoll geschwungenen Gläsern von Beginn an dabei ist, hofft allerdings, dass der Andrang etwas größer wird. «Im vergangenen Jahr kamen 7600 Besucher. Das Dreifache wäre gut.»

Die mehr als 350 Aussteller aus 20 Nationen, die ihre Werke in der rund 10.000 Quadratmeter großen Messehalle präsentieren, sind handverlesen. Sie werden vom Verband World Crafts Council Europe (WCC) ausgewählt. Die Zahl der Bewerber war etwa doppelt so hoch. «So eine Messe war überfällig», sagt WCC-Präsident Bernd Röter, der auch stellvertretender Vorsitzender des deutschen Verbandes Kunsthandwerk ist. Im Gegensatz zu den bildenden Künstlern, die sich auf Kunstmessen in Köln, Karlsruhe und Basel präsentieren könnten, gebe es für Kunsthandwerker kaum ein Forum.

Die Grenzen zwischen Kunst und Kundhandwerk sind für Röter fließend. Er versucht sich trotzdem an einer Definition: «Der Künstler verwirklicht eine Idee, der Kunsthandwerker will das Material ausloten und zum Sprechen zu bringen.» Dabei gibt es durchaus Trends. «In diesem Jahr stehen die Zeichen auf Glas und Metall.»

Bei der Verarbeitung bedienen sich die Künstler auch moderner Techniken wie Carolin Schwarz aus dem rheinland-pfälzischen Holzappel. Sie zerschneidet verschiedenfarbiges Glas und schweißt die Stücke dann wieder zu Schalen zusammen. «Dieses Verfahren gibt es erst seit ein paar Jahren», erklärt sie. Am Nachbarstand hat Hannah Lobley aus Nottingham in England kleine Schalen aus Papier aufgestellt. Dafür leimt sie Lage um Lage aufeinander. «Die Idee kam mir, als ich ein Buch im Regen liegenließ, das danach richtig fest wurde.»

Die Stellung der Kunsthandwerker ist in den europäischen Staaten höchst unterschiedlich. Im Nachbarland Frankreich etwa, dem Messeschwerpunkt in diesem Jahr, wird jedes Jahr der Staatspreis «Les Maitres d'Art» vergeben. Die 15 aktuellen Preisträger zeigen ihre Werke gemeinsam in einem Stand, angefangen von einer Kaviarschale aus Gold und Silber, und einer Gitarre, über Ringe und Vasen bis zu Marionetten und Fächern - alles aus feinsten Materialien.

«So ein Staatspreis, wie er auch in skandinavischen Ländern üblich ist, würde uns auch guttun», träumt Bernd Röter. «Aber da steht uns das föderale System im Weg. Uns fehlt eben ein Bundeskulturministerium.» Der WCC vergibt auf der Messe deshalb selbst einen Preis. In den vergangenen Jahren erhielten ihn Antje Dienstbir aus Wiesbaden für ihre kunstvollen Löffel und Francoise Joris aus Belgien für seine Skulpturen aus Papier, Stoff und Porzellan. dpa