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Pizza-Lieferungen im deutsch-schweizerischen Grenzverkehr müssen jetzt durch den Zoll. Das kommt für deutsche Pizzabäcker einem Exportverbot gleich.
Pizza-Lieferungen im deutsch-schweizerischen Grenzverkehr müssen jetzt durch den Zoll. Das kommt für deutsche Pizzabäcker einem Exportverbot gleich. © dpa
09.01.2015

Deutsch-schweizerischer Pizzakrieg: Eidgenossen wollen keine Sonderregelung

Stellen Sie sich einmal vor, Sie haben Hunger und wollen sich eine Pizza liefern lassen von einem Anbieter, der nur fünf Kilometer entfernt und für seine leckeren, günstigen Pizzas bekannt ist. Das klappt in unserer Region in der Regel einwandfrei. Soll heißen: Die Pizza kommt noch heiß an die Wohnungstür. Davon träumen an der deutschen Grenze lebende Schweizer. Die müssen damit rechnen, dass ihre in Sichtweite, aber jenseits der Grenze bestellte Pizza wegen Zollformalitäten kalt aus dem Pappkarton kommt.

Die Schweiz hat nämlich ihre Grenzen für den schnellen deutsch-schweizer Lieferpizza-Verkehr dicht gemacht. Jetzt müssen die köstlichen Teigfladen durch den Zoll. Und das ist lästig und kostet Zeit. Nach monatelangen Gesprächen hat die Schweizer Zollbehörde eine unbürokratische Regelung für Pizza-Lieferungen aus dem deutschen Grenzgebiet abgelehnt. Der Berner Oberzolldirektor Rudolf Dietrich entschied jetzt, dass sich eine «Pizza-Sonderlösung» nicht rechtfertigen lässt.

Dabei gehe es nicht nur um Zollabgaben, sondern auch um Vorschriften im Lebensmittel und um agrarpolitische Bestimmungen. Auch müssten Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten von Schweizer Anbietern verhindert werden - die Pizza bei Lieferdiensten in der Schweiz ist deutlich teurer, wie die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) bereits vor einem Jahr feststellte.

Die Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee zeigte sich enttäuscht. „Mit dem geforderten Verfahren wird die Pizza einer nicht verderblichen Ware gleichgesetzt“, kritisierte IHK-Geschäftsführer Uwe Böhm. Da es die größte Nachfrage nach Pizza-Bestellungen am Abend gebe, also außerhalb der Öffnungszeiten des Zollamts, „kommt die Praxis einem Exportverbot gleich“.