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Eine Mitarbeiterin des Landesamtes für Denkmalpflege restauriert eine Wandmalerei mit lebensgroßen Brüsten, die in Bodmann-Ludwigshafen gefunden wurde.
Eine Mitarbeiterin des Landesamtes für Denkmalpflege restauriert eine Wandmalerei mit lebensgroßen Brüsten, die in Bodmann-Ludwigshafen gefunden wurde.
23.09.2016

Die "Busenwand" vom Bodensee

Bodman-Ludwigshafen. Sie besteht aus 2000 Einzelteilen und zeigt sieben Frauen mit fast lebensgroßen Brüsten - die steinzeitliche «Busenwand» vom Bodensee. So lautet der Arbeitstitel der Wandmalerei, die Forscher aus dem Südwesten im Frühling dieses Jahres rekonstruiert haben. Der Fund ist laut Landesamt für Denkmalpflege die älteste Wandmalerei nördlich der Alpen. Um neue Erkenntnisse rund um die «Busenwand» soll es auf dem «9. Tag der Archäologie in Baden-Württemberg» unter anderem gehen. Bis Sonntag diskutieren bis zu 300 Archäologen auf der Tagung in Biberach über Funde und Forschung zu Ausgrabungen im Südwesten.

Das jungsteinzeitliche Busen-Bild stammt von der Innenwand eines Pfahlbauhauses, das vor 6000 Jahren verbrannte und versank. Auf den Fund waren die Archäologen bereits 1990 bei Unterwasser-Ausgrabungen einer Pfahlbausiedlung nahe Bodman-Ludwigshafen am Bodensee gestoßen. Die «Busenwand» wurde zwischen 3860 bis 3830 vor Christus aus Lehm und Branntkalk gefertigt und zeigt sieben Frauengestalten, deren Umrisse mit weißer Kalkfarbe gezeichnet wurden. Die Köpfe sind in Form einer Sonne dargestellt. Auffällig sind die realitätsgetreuen Brüste, die als einzige Elemente aus dem Bild hervortreten.

Die Malerei stellt Ahnenreihen dar. Den Schlüssel für diese Interpretation liefern den Angaben zufolge die schematisch gezeichneten Bäumchen zwischen den Frauen. «Es handelt sich dabei um eine vereinfachte Zeichnung von übereinander gestapelten Menschen», erklärte Archäologe Helmut Schlichtherle - ein Stammbaum also. Darauf seien die Forscher durch Vergleiche mit Keramikfunden aus dem gleichen Zeitalter gestoßen, auf denen ebenfalls solche menschenähnlichen Zeichnungen zu sehen seien. Schlichtherle war zur Zeit der Ausgrabungen Leiter der Unterwasser- und Feuchtbodenarchäologie des Landesamtes für Denkmalpflege.

Die «Busenwand» ist noch bis 9. Oktober in der Landesausstellung «4000 Jahre Pfahlbauten» in Bad Schussenried zu sehen. Die Darstellung einer Ahnenreihe mit Frauengestalten als «Gründermütter» gibt Aufschluss über die Strukturen der jungsteinzeitlichen Gesellschaft und über Riten. Nach Angaben der Archäologen lebten die Menschen damals in egalitären Familiengruppen ohne gesellschaftliche Hierarchie. Die Ausgrabungsstelle gehört zum Areal «Bodman–Schachen», das 2011 als Teil der prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen in das Unesco-Welterbe aufgenommen wurde.

Veranstalter der Tagung in Biberach sind die Gesellschaft für Archäologie in Württemberg und Hohenzollern und der Förderkreis Archäologie in Baden.