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Stefan Mappus mit Frau Susanne Verweyen-Mappus bei der Stimmabgabe im Pforzheimer Reuchlingymnasium: Vor zahlreichen Fernsehkameras gab sich der Ministerpräsident zuversichtlich, was den Ausgang der Wahl betrifft. © Ketterl
27.03.2011

Die Spannung steigt im Land - die Wahlbeteiligung auch

STUTTGART. Es ist wohl die spannendste Wahl in der Geschichte Baden-Württembergs: 7,8 Millionen Bürger zwischen Main und Bodensee sind am heutigen Sonntag aufgerufen, einen neuen Landtag zu wählen. In den Wahllokalen war es so voll wie schon lange bei keiner Landtagswahl mehr. Den letzten Umfragen zufolge könnte es einen Machtwechsel von Schwarz-Gelb zu Grün-Rot geben. Es wäre das Ende einer fast 58 Jahre währenden CDU-Dominanz und nach nur einem Amtsjahr das Aus für Regierungschef Stefan Mappus. Der hatte um 10.30 Uhr im Pforzheimer Reuchlingymnasium mit seiner Frau Susanne Verweyen-Mappus seine Stimme abgegeben. PZ-news wird am Abend Videos zur Wahl zeigen.

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Ein großes Medienaufgebot wollte dabei sein und viele Wähler und Passanten zuschauen. "Ich habe ein gutes Gefühl", sagte Mappus vor den Kameras. Er hatte auch seine beiden Söhne zur Stimmabgabe mitgenommen. Mappus gab sich zuversichtlich, lächelte in die Kameras und plauderte mit vielen Menschen im Wahllokal. Dabei haben zuletzt alle Umfragen ergeben, dass es eng werden könnte mit der Fortsetzung seiner Politik im baden-württembergischen Landtag.

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Bis 14.00 Uhr hatten in Südwesten 30,7 Prozent der Bürger ihre Stimme abgegeben, teilte Landeswahlleiterin Christiane Friedrich mit. Einen direkten Vergleichswert zur Landtagswahl 2006 gibt es nicht. Damals hätten allerdings um 15.00 Uhr erst 29,8 Prozent der Bürger ihr Kreuzchen gemacht. Hinzu kommt, dass ungewöhnlich viele Menschen ihre Stimme in den vergangenen Wochen schon per Briefwahl abgegeben hatten. Die Wahllokale im ganzen Land haben noch bis 18.00 Uhr geöffnet. 2006 hatte die Beteiligung bei der Landtagswahl einen Tiefstand von 53,4 Prozent erreicht.

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Die Spitzenkandidaten der Parteien hatten am späten Vormittag in ihren Heimatwahlkreisen ihre Stimme abgegeben. Ministerpräsident Mappus kam mit seiner Frau und zwei Kindern ins Wahllokal im Reuchlin-Gymnasium in Pforzheim. Grünen-Spitzenkandidat Winfried Kretschmann wählte mit seiner Frau Gerlinde in Sigmaringen im Ortsteil-Rathaus Laiz. SPD-Spitzenkandidat Nils Schmid kam mit seiner Frau Tülay in die Ersbergschule in Nürtingen. FDP-Spitzenkandidat Ulrich Goll machte sein Kreuzchen im Salier-Gymnasium in Waiblingen (Rems-Murr-Kreis). Auch seine Frau und drei Kinder waren mit im Wahllokal.

Die Wahlkämpfer der Parteien hatten bis zur letzten Minute um jede Stimme geworben. In den Fußgängerzonen der Städte hatten sie am Samstag noch einmal ihre Stände aufgebaut und Flugblätter verteilt. Für die Parteien steht viel auf dem Spiel: Sollte die CDU ihre Hochburg Baden-Württemberg verlieren, hätte das wohl auch Auswirkungen auf die Bundespolitik. Auch für die FDP und die Linke geht es um alles: Den Umfragen zufolge könnte die Linke erstmals in den baden-württembergischen Landtag einziehen, die FDP könnte in ihrem Stammland an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern.

Seit der Atomkatastrophe in Japan vor zwei Wochen liegen Grüne und SPD in den Umfragen klar vor Schwarz-Gelb. Bei der jüngsten TNS-Emnid-Umfrage für das Magazin «Focus» kam Grün-Rot auf 48 Prozent und lag damit fünf Punkte vor Schwarz-Gelb. Da die Grünen mit 25 Prozent vor der SPD (23 Prozent) rangierten, könnte Grünen-Fraktionschef Kretschmann erster grüner Ministerpräsident in Deutschland werden. Die CDU erreichte bei der Umfrage 38 Prozent und die FDP 5 Prozent. Die Linkspartei käme mit 4 Prozent nicht in den Landtag. Auch eine Umfrage des Instituts YouGov sah eine Mehrheit für Grün-Rot von 48 Prozent gegenüber 42 Prozent für Schwarz-Gelb.

Zur Landtagswahl sind 19 Parteien mit 684 Bewerbern sowie sechs Einzelbewerber zugelassen. Vor fünf Jahren holte die CDU 44,2 Prozent der Stimmen und errang 69 Mandate. Die mitregierende FDP kam auf 10,7 Prozent und 15 Sitze. Die SPD erreichte 25,2 Prozent und 38 Mandate. Auf die Grünen entfielen 11,7 Prozent und 17 Sitze. Die Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) als Vorläuferorganisation der Linkspartei scheiterte damals mit 3,1 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde.

In Lörrach, Wertheim und Bad Mergentheim wählen die Bürger heute außerdem einen neuen Oberbürgermeister. Die Amtsinhaber kämpfen jeweils um ihre Wiederwahl.

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