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Betrug per Telefon: Betrüger rufen vor allem bei Senioren an.  Foto: dpa 

Die Zahl der Betrügereien steigt massiv

Stuttgart. Es ist die alte Masche: Sogenannte falsche Polizisten rufen bei Rentnern an und gaukeln ihnen vor, Hab und Gut seien durch Verbrecher bedroht. Oder es sind die angeblichen Enkel in Notlagen, die die Senioren um viel Geld bringen. Mit gewaltigem Erfolg: Denn allen Warnungen und Kampagnen der Polizei zum Trotz haben Betrüger im vergangenen Jahr mit dem sogenannten Enkeltrick und als falsche Polizisten rund 10,5 Millionen Euro erbeutet. Die Zahl der bekannten Fälle habe sich im Vergleich zum Jahr davor fast verdoppelt, wie aus der jüngsten Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) des Landes hervorgeht.

„Insbesondere das Phänomen falscher Polizeibeamter gewinnt zunehmend an Bedeutung“, heißt es in der PKS. Die Schadenssumme in diesem Bereich lag im vergangenen Jahr bei 7,45 Millionen Euro nach 6,78 Millionen Euro im Jahr davor. Registriert wurden rund 13.900 Fälle (2018: 7256). Dazu gehört auch der Betrug an einer 85-Jährigen, die im vergangenen November Schmuck im Wert von 750.000 Euro an mehrere Betrügerinnen und Betrüger verlor. Die weitaus meisten Betrüger (13.600 Fälle oder 98 Prozent) scheitern allerdings bereits beim Anruf oder spätestens an der Haustür ihrer Opfer.

Bei der Betrugsmasche geben sich die Täter am Telefon als Polizisten aus und bringen das oft alleine lebende Opfer dazu, einem Boten Geld oder Wertsachen zu geben. Manche überzeugen ältere Menschen davon, dass die Polizei vermeintliches Falschgeld prüfen muss. Andere versichern, die Beamten würden Bargeld und Wertsachen vor Kriminellen retten, die einen Einbruch planten. Bei einer neueren Masche wird den Opfern vorgelogen, es liege ein Haftbefehl gegen sie vor. Gegen eine zu überweisende Kaution in Höhe von mehreren Tausend Euro könne dieser ausgesetzt werden, sagen die Kriminellen.

„Es ist besonders infam, wie hier unter dem Deckmantel der Polizei vor allem ältere Menschen um ihr Erspartes gebracht werden“, sagt Innenminister Thomas Strobl (CDU).

Der Betrug als falscher Polizist erinnert an den Enkeltrick, bei dem sich Kriminelle am Telefon als gute Bekannte, Enkel, Neffe oder sogar als Kind ausgeben und eine finanzielle Notlage vortäuschen. Zuletzt wurde in Varianten sogar das Coronavirus als Argument gebracht. Ist das Opfer zur Zahlung bereit, kommt oft ein Bote ins Spiel, der das Geld abholt. Auch hier sind die Zahlen geradezu explosionsartig gestiegen: Wurden im Jahr 2018 noch 1486 Fälle von Enkeltricks registriert, so waren es im vergangenen Jahr schon 2793, davon blieben allerdings 2662 erfolglos.

Der Weiße Ring vermutet, dass die Statistik nicht alle Fälle aufgreift: „Die Dunkelziffer ist extrem hoch“, sagt Erwin Hetger, der Landesvorsitzende der Opferschutzorganisation und frühere Landespolizeipräsident. „Viele Opfer outen sich gar nicht, sie überkommt eine ausgeprägte Scham mit der Konsequenz, dass sie den Betrug für sich behalten.“