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Der Dioxin-Skandal weitet sich aus. Sind belastete Eier jetzt auch in Baden-Württemberg?
Dioxin jetzt auch in Baden-Württemberg? © dpa
07.01.2011

Dioxin jetzt auch in Baden-Württemberg?

STUTTGART/BERLIN. Das zuständige Ministerium in Baden-Württemberg erklärte, dass möglicherweise dioxinbelastete Ware ins Land gelangt ist. Es handele sich dabei um Schlachttiere sowie pasteurisiertes Flüssigei. Das ganze Ausmaß ist weiter unklar. Bundesweit nähert sich die Zahl der gesperrten Höfe der 5000. Die Bauern fordern Schadenersatz in Millionenhöhe, und Ministerin Aigner will notfalls noch weitere Rückholaktionen.

Der Dioxin-Skandal weitet sich aus. Bisher mussten bundesweit bereits über 4700 Betriebe wegen Dioxinverdachts gesperrt werden. Auch auf einem Markt in Rheinland-Pfalz sind nun erstmals Eier aus einem Betrieb entdeckt worden, der mit dioxinhaltigen Futtermitteln beliefert wurde. Es gehe um 540 Eier aus einem Betrieb in Nordrhein-Westfalen, teilte das Umweltministerium am Donnerstagabend mit. Dioxinbelastete Industriefette sind nach einem Bericht der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» schon länger zu Tierfutter verarbeitet worden als bisher bekannt.

Bereits am 19. März 2010 habe ein privates Labor in einer Probe des Fettlieferanten Harles und Jentzsch doppelt so viel Dioxin gemessen wie erlaubt, berichtete das Blatt (Freitag). Diese Informationen habe das Agrarministerium in Kiel am Donnerstag bestätigt. Es habe erst am 27. Dezember von der Grenzwertüberschreitung erfahren.

Das positive Ergebnis stammt dem Bericht zufolge aus einer Eigenkontrolle des Unternehmens und wurde den Behörden nicht mitgeteilt. Die Probe sei am 29. Dezember von der schleswig- holsteinischen Futtermittelüberwachung in Uetersen beschlagnahmt und der Staatsanwaltschaft übergeben worden. Auch nach dem März 2010 habe es bei Eigenkontrolluntersuchungen des Unternehmens Auffälligkeiten gegeben, die ebenfalls unterschlagen worden seien, sagte ein Ministeriumssprecher der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung».

Die Bauern wollen eine Entschädigung von der Futtermittelindustrie und fordern einen Hilfsfonds. Je nach Größe des Betriebs könne der Schaden wegen der Sperrung in die Millionen gehen, sagte der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Helmut Born, der dpa.

Nach Informationen aus Ministeriumskreisen sind bundesweit bereits 4709 Betriebe vorsorglich gesperrt worden, weil sie möglicherweise Mischfutter mit dioxinbelastetem Futterfett erhalten haben. Die meisten dieser Höfe liegen in Niedersachsen. Dort sind 4468 Betriebe betroffen. Das Bundesverbraucherministerium begrüßte die Vorsorgemaßnahmen der Länder. Zunächst war nur von 1000 gesperrten Höfen die Rede gewesen.

Überwiegend sind Schweinemastbetriebe betroffen. Die gesperrten Betriebe dürfen solange keine Produkte mehr ausliefern, bis eine Unbedenklichkeit nachgewiesen ist.

In einem Interview mit der «Neuen Osnabrücker Zeitung» bezifferte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner den Schaden für die betroffenen Bauern auf 40 bis 60 Millionen Euro pro Woche. Die Zeche sollen die Futtermittellieferanten zahlen. «Sie müssen die Schadensersatzansprüche der Landwirte abgelten. Da werden wir bis zum Letzen gehen», sagte Sonnleitner der Zeitung (Freitag). Weiter sagte der Bauernpräsident: «Betriebe, die gesperrt waren, bei denen aber letztlich kein Dioxin nachgewiesen worden ist, schauen in die Röhre.» Man könne juristisch gesehen dafür niemanden haftbar machen.

Der Agrarpolitiker Friedrich Ostendorff (Bündnis 90/Die Grünen) forderte, potenziell gefährliche Futtermittel-Zusätze zu verbieten. «Wir müssen prüfen, welche zugelassenen Futtermittel und Zusatzstoffe gefährlich sind», sagte der Ostendorff der «Berliner Zeitung» (Freitag). So sei fraglich, aus welchen Abfällen Futterfett gewonnen werden könne. «Schon beim kleinsten Zweifel müssen bestimmte Stoffe gesperrt werden.»



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