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Eckt mit seiner Kampagne gvegen Zwangsprostitution an: Stuttgarts OB Fritz Kuhn.  Foto: dpa
Eckt mit seiner Kampagne gvegen Zwangsprostitution an: Stuttgarts OB Fritz Kuhn. Foto: dpa
03.05.2016

Drastische Wortwahl bei Initiative gegen Zwangsprostitution umstritten

Plakate mit Sprüchen wie „Nutten sind auch Menschen“ hängen seit einer Woche in ganz Stuttgart – und sorgen für viel Kritik. Der evangelische Stadtpfarrer Matthias Vosseler will, dass ein Plakat mit dem „F-Wort“ („Die Würde des Menschen ist auch beim Ficken unantastbar“) ausgetauscht wird, wie er am Dienstag sagte. Es sei wichtig, auf das Thema aufmerksam zu machen. „Aber muss eine gewisse Vulgärsprache auf ein offizielles Plakat?“

Die CDU fordert indes, dass zwei Plakate mit den Worten „Nutten“ und „Ficken“ abgehängt werden. Der Stuttgarter CDU-Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann hält die Kampagne, mit der Freier auf die prekäre Lage von Prostituierten aufmerksam gemacht werden sollen, für misslungen. „Ich habe den OB aufgefordert, sie einzustellen“, sagte er. Die beiden Worte wolle er nicht im öffentlichen Raum sehen. Die Begriffe seien herabwürdigend. Die CDU-Fraktion im Stuttgarter Gemeinderat sieht die Grenze des guten Geschmacks überschritten. Die Stadt hat außerdem fünf sogenannte Gelbe Karten mit Bürgerbeschwerden erhalten.

Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) hält jedoch an der Kampagne fest. Ist die Aktion tatsächlich zu anstößig formuliert? Der Dezernent für Rechtsfragen beim Städtetag in Baden-Württemberg, Gerhard Mauch, sieht in der Initiative eine politische Meinungsäußerung, die durch die Meinungsfreiheit gedeckt ist.

Aus Sicht der Stuttgarter Polizei hat sie aufklärende Wirkung. Die Diskussion über die Wortwahl bewirke bei Freiern Aufsehen. „Viele kommen vom Land und wollen hier ins Städtle, ins Rotlichtmilieu“, sagte Polizeisprecher Thomas Geiger. Oft sei den Freiern nicht bekannt, dass es sich um ein Sperrgebiet handele, wo Straßenprostitution nicht erlaubt sei.

Sabine Constabel vom städtischen Sozialdienst für Prostituierte hat betroffenen Frauen die Kampagne von Übersetzern erklären lassen – auch mit der Bemerkung, dass der Begriff Nutte abwertend sei. „Die Frauen haben gesagt: Genau so ist es und noch viel schlimmer.“