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Im „Hofgut Sassen“ im hessischen Schlitz lebte der Sohn von Schrauben-Milliardär Reinhold Würth, als er 2015 entführt wurde. Foto: dpa-Archiv
Im „Hofgut Sassen“ im hessischen Schlitz lebte der Sohn von Schrauben-Milliardär Reinhold Würth, als er 2015 entführt wurde. Foto: dpa-Archiv
15.03.2018

Drei Jahre nach der Tat: Festnahme in Entführungsfall Würth

Offenbach. Nach knapp drei Jahren haben Spezialkräfte der Polizei in Offenbach den mutmaßlichen Täter im Entführungsfall Würth festgenommen. Der mutmaßliche Kidnapper des Sohns des Industriellen Reinhold Würth sei ein 48 Jahre alter Offenbacher mit serbisch-montenegrinischer Staatsbürgerschaft, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Kripo-Beamte durchsuchten seine Wohnung nach möglichen Beweismitteln. Die Festnahme erfolgte den Angaben zufolge am Mittwochmorgen.

Gegen den Mann sei Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts des erpresserischen Menschenraubes erlassen worden. Nach seiner Festnahme wurde er im Polizeipräsidium Osthessen vernommen. Es gab keine Angaben darüber, ob sich der Mann dabei zu den Vorwürfen äußerte. Er befinde sich in einer Justizvollzugsanstalt, hieß es am späten Nachmittag. Heute wollen sich die Ermittler bei einer Pressekonferenz in Fulda ausführlicher äußern.

Der behinderte Sohn des baden-württembergischen Schrauben-Milliardärs Würth war am 17. Juni 2015 in Schlitz (Vogelsbergkreis) gekidnappt worden. Er lebte dort in einer integrativen Wohngemeinschaft. Die Lösegeldforderung ging damals telefonisch am Stammsitz des Unternehmens ein. Würth und seine Ehefrau waren zu dem Zeitpunkt auf einer Geschäftsreise in Griechenland. Einen Tag später wurde der damals 50-Jährige in einem Wald bei Würzburg unversehrt an einen Baum gekettet gefunden. Zu einer Lösegeld-Übergabe in Millionen-Höhe kam es nicht. Die Belohnung für Hinweise, die zum Täter führen, wurden von zunächst 5000 auf 30.000 Euro erhöht.

Der 82 Jahre alte Schraubenmilliardär stammt aus Öhringen (Kreis Heilbronn). Die Würth-Gruppe hat ihren Sitz in Künzelsau im Hohenlohekreis. Die Familie äußerte sich auf Anfrage nicht zu der Festnahme.

Die Ermittler nutzten auch die Fernsehsendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“, um Hinweise aus der Öffentlichkeit zu bekommen. Ende April 2017 zeigten sie den spektakulären Kriminalfall im ZDF und präsentierten den TV-Zuschauer auch eine Sprachanalyse.

Nach den damaligen Erkenntnissen sollte der Täter aus dem ehemaligen Jugoslawien stammen, denn der Mann sprach mit deutlichem Akzent. Den Erkenntnissen nach lernte er Deutsch im Rhein-Main-Gebiet. Die Analyse ergab ein Alter des Täters zwischen 40 und 52 Jahren. Er soll demnach wahrscheinlich aus dem Raum Sandzak im Grenzgebiet zwischen Serbien und Montenegro stammen. Neben der Stimmanalyse wertete die Polizei seiner Zeit Handydaten aus. Dadurch entstand ein Bewegungsbild. Nach den Erkenntnissen der Ermittler lud der Kidnapper an verschiedenen Orten sein Handy-Guthaben auf – am Tattag in einem Supermarkt in Würzburg-Eisingen. In der Nähe wurde später der entführte Industriellensohn gefunden. Die Sonderkommission zu dem Fall wurde im September 2015 aufgelöst, die Ermittlungen liefen aber weiter. Der Sohn Würths lebt inzwischen an einem anderen, geheim gehaltenen Ort.