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09.02.2010

Dreikampf um Mappus-Nachfolge in CDU-Fraktion

STUTTGART. Wenn am Mittwochvormittag Stefan Mappus zum Ministerpräsidenten gewählt worden ist, muss die CDU-Landtagsfraktionen, der Mappus bisher vorstand, einen neuen Chef bestimmen. Durch die überraschende Niederlage der CDU-Fraktion in der Landtagssitzung am Freitag bei der Abstimmung über den Umgang mit Steuersünderdaten dürften sich die Gewichte noch einmal verschoben haben. Agrarminister Peter Hauk (CDU) zeichnet sich inzwischen als klarer Favorit ab.

Zweiter Anlauf

Bildergalerie: Stefan Mappus wird Ministerpräsident: Impressionen - Teil 1

Der 49 Jahre alte CDU-Politiker setzt zum zweiten Mal zum Sprung auf den mächtigen Fraktionsvorsitz an. Beim ersten Versuch vor knapp fünf Jahren war Peter Hauk an Mappus gescheitert, der sich gegen den Vater zweier Kinder aus dem Wahlkreis Neckar-Odenwald durchsetzte. Danach hatte der frisch gewählte Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) seinen Vertrauten Hauk zum Landwirtschaftsminister berufen. Seitdem zeigt sich der diplomierte Forstwirt in seinem Ressort als fachlich sehr beschlagen, glänzt aber auch mit Querschnittswissen etwa in Wirtschaftsfragen.

In letzter Zeit musste sich Hauk mit aufgebrachten Milchbauern auseinandersetzen. Auch anderweitig gab es Turbulenzen. So wurde ihm monatelang in anonymen Schreiben vorgeworfen, er rechne private Reisen dienstlich ab. Sein Ministerium bescheinigte Hauk aber einen korrekten Umgang mit Reisekosten. Kurz darauf verkündete seine Ehefrau, sie habe sich von ihrem Mann getrennt. Hauk hatte erklärt, er sei mit einer Verbandsmanagerin auf Reisen gewesen, und gesagt: „Ich kenne diese Frau dienstlich und privat.“

Glückloser Fraktionsvize

Bildergalerie: Stefan Mappus wird Ministerpräsident: Impressionen - Teil 2

Er musste schon häufig in Parlamentsdebatten die Kohlen aus dem Feuer holen, wenn die erste Reihe nicht unbedingt ins Rededuell ziehen wollte. Aber bei der Landtagssitzung am Freitag vergangener Woche hat der 49 Jahre alte Jurist Stefan Scheffold aus Schwäbisch Gmünd aus Sicht vieler Fraktionskollegen komplett versagt. Bis zuletzt hielt er daran fest, der SPD-Antrag, wonach der Landtag sich für den Kauf gestohlener Steuersünderdaten aussprechen soll, sei unzulässig. Da eine entsprechende Absprache von CDU-Fraktionschef Mappus mit Landtagspräsident Peter Straub (CDU) beim übrigen Präsidium nicht bekannt war, ließ der amtierende Präsident Wolfgang Drexler (SPD) das Votum zu. SPD und Grüne setzten sich durch, weil sich die meisten Abgeordneten von CDU und FDP in ihrer Ratlosigkeit enthielten. Damit sind die Scheffolds Aussichten dramatisch gesunken.

Ein CDU-Abgeordneter sagte nach dem Eklat über die Wahlchancen des Finanzexperten: „Der hat sich selbst abgeschossen.“ Scheffold ist von der Kommunalpolitik geprägt und das schlägt sich auch in seinem sonst sehr ruhigen und auf Ausgleich bedachten Umgang im Parlament nieder. Dieser Hang zur Harmonie hat ihm möglicherweise in der hektischen Abstimmungssituation geschadet. Der 50-jährige Scheffold ist seit 1996 im Landtag. Er ist katholisch, verheiratet, hat drei Kinder.

International geprägt

Bildergalerie: Stefan Mappus wird Ministerpräsident: Impressionen - Teil 3

„Wer sich anstrengt hat mehr vom Leben.“ Dieses Motto hat der Freiburger CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Schüle auf seine Fahne geschrieben. Er wurde 2001 erstmals in den Landtag gewählt. Davor war seine Arbeit international geprägt: Er war fünf Jahre lang im Regierungspräsidium Freiburg stellvertretender Leiter der Stabsstelle für grenzüberschreitende Zusammenarbeit.

Beste Voraussetzungen brachte der heute 46 Jahre alte Jurist dazu mit: Schüle ist in den USA geboren, hat an der Europaschule im italienischen Varese sein Abitur gemacht und in Freiburg Rechtswissenschaften studiert. Im Landtag zählen die Wissenschafts- und die Forschungspolitik ebenso zu seinen Schwerpunkten wie der Agrarbereich. Aber auch grundlegende Fragen treiben den Abgeordneten um. So leitete er im Oktober vergangenen Jahres einen Kongress seiner Partei, bei dem es um tragende Werte in der Gesellschaft ging. In der jüngsten Haushaltsdebatte verteidigte er nachdrücklich die Hochschulpolitik von Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU). Schüle ist verheiratet und hat drei Kinder. lsw