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Ein Justizbeamter als Drogenkurier und Häftlinge, die hinter Gittern dealen: Während der Beamte nach einer Schmuggel-Affäre am Gefängnis Heilbronn ein Geständnis ablegt, schweigen fünf andere Angeklagte. Foto: Fabian Sommer
Ein Justizbeamter als Drogenkurier und Häftlinge, die hinter Gittern dealen: Während der Beamte nach einer Schmuggel-Affäre am Gefängnis Heilbronn ein Geständnis ablegt, schweigen fünf andere Angeklagte. Foto: Fabian Sommer © dpa
13.02.2019

Drogenschmuggel ins Gefängnis - Fünf Angeklagte schweigen

Heilbronn. Im Zusammenhang mit einer Schmuggelaffäre am Heilbronner Gefängnis müssen sich seit Mittwoch vier Männer und eine Frau vor dem Landgericht verantworten. Sie sollen einen Justizbeamten bestochen haben, um Drogen oder andere verbotene Gegenstände hinter Gitter zu bringen. Keiner der Angeklagten wollte sich zum Auftakt des Prozesses zu den Tatvorwürfen äußern.

Anders sah es eine Woche zuvor aus: Der Beamte, der als Drogenkurier fungiert haben soll, hatte in einem gesonderten Prozess gegen ihn alle vorgeworfenen Taten eingeräumt. Er erklärte sich auch bereit, in Verfahren gegen weitere Beschuldigte als Zeuge auszusagen.

Im Herbst 2017 sollen einige der fünf Angeklagten begonnen haben, einen Drogenring im Gefängnis hochzuziehen. Zunächst wollten sie laut Staatsanwaltschaft Medikamente über die Mauer in die Anstalt schleudern, was allerdings nur einmal gelang. Danach hätten die Angeklagten im Alter zwischen 28 und 40 Jahren die Strategie gewechselt und den Justizbeamten sowie andere Drogenkuriere genutzt.

Demnach seien die, die gerade inhaftiert waren, für den Verkauf hinter Gittern zuständig gewesen. Diejenigen, die nicht im Gefängnis saßen, hätten draußen die Drogen und Medikamente beschafft - darunter eine 37 Jahre alte Lebensgefährtin eines anderen Angeklagten. Bezahlt wurden die Rauschmittel der Anklage nach auch per Post: So hätten Angehörige von Häftlingen der 37-Jährigen Geld zugeschickt.

Der mutmaßliche Drogenring flog auf, als der Justizbeamte eine größere Lieferung ins Gefängnis schmuggeln wollte. Fast 400 Tabletten eines Schmerzmittels, 2 Gramm Heroin und 22 Gramm Haschisch wurden bei der Festnahme im Juli 2018 sichergestellt.

Im Zuge der kriminellen Machenschaften am Heilbronner Gefängnis musste der Leiter im Oktober 2018 seinen Posten räumen. Die Staatsanwaltschaft hat im "Komplex Knastschmuggel" rund 90 Beschuldigte im Gefängnis sowie in dessen Umfeld im Visier. Neun Bedienstete stehen im Verdacht, Hakenkreuz-Bilder und Hitler-Porträts ausgetauscht zu haben.