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19.02.2013

Ehemann getötet - Angeklagte und Geliebter schweigen im Mordprozess

Ravensburg. Weil sie einen 40-Jährigen umgebracht haben sollen, müssen sich die Ehefrau des Opfers und ihr mutmaßlicher Geliebter vor dem Landgericht in Ravensburg verantworten. Mit hartnäckigem Schweigen der beiden hat am Dienstag der Mordprozess begonnen. Laut Anklage haben sie den Mann im April 2012 am Bodensee getötet, da er ihrer Liebesbeziehung im Weg stand und sie zudem an sein Vermögen wollten.

Der Tathergang klingt brutal: Die 37-Jährige und der 43-Jährige sollen ihr Opfer zunächst betäubt, dann 14 Mal mit einem kantigen Gegenstand auf den Kopf geschlagen und schließlich erdrosselt haben. Die Leiche des Mannes sollen sie später in einer Holzkiste nach Tirol gebracht und dort in eine Schlucht geworfen haben. Ein Polizist fand den Toten - einen gebürtigen Südtiroler, der am Bodensee einen Handel mit Spezialitäten aus seiner Heimat betrieb - wenige Tage später fast nackt in einem Gestrüpp.

Die Tat sei heimtückisch und von langer Hand geplant gewesen, heißt es in der Anklage. Die Ehefrau und der 43-Jährige hätten zuvor zweimal versucht, ihr Opfer durch Betäubungsmittel in einen Unfall zu verwickeln. Tatsächlich hatte der 40-Jährige kurz vor seinem Tod zwei Autounfälle - bei einer anschließenden Untersuchung fanden sich Spuren eines Betäubungsmittels in seinem Blut.

Beide Angeklagte wollten weder Angaben zu ihrer Person noch zur Tat machen, ließen sie über ihre Anwälte ausrichten. Stattdessen schilderte der Hauptkommissar, der im vergangenen Jahr die Ermittlungen in dem Fall geleitet hatte, die Aussagen der Ehefrau nach dem Fund der Leiche. Demnach habe ihr Ehemann kurz vor seinem Verschwinden Besuch von einem ihr Unbekannten namens Sandro bekommen. Dieser habe ihr vermutlich ein Betäubungsmittel verabreicht - als sie wieder aufwachte, seien beide Männer verschwunden gewesen.

Die Polizei hatte mit einem Phantombild nach dem Unbekannten gesucht, aber keine Hinweise dazu erhalten. Weitere Aussagen der Frau, bei dem Besucher habe es sich um ein Mitglied der Mafia gehandelt, konnten nicht bestätigt werden. Da das Opfer auch bisexuelle Neigungen hatte, sei zudem im Schwulenmilieu ermittelt worden. Auch diese Spur habe sich aber verlaufen, sagte der Hauptkommissar. Die Verhandlung ist auf acht Tage bis Mitte April angesetzt (Az 1 Ks 34 Js 7621/12).