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23.09.2016

Ein Prosit der Gemütlichkeit auf dem 171. Cannstatter Volksfest

Stuttgart/Bad-Cannstatt. Große Ehre und schwere Aufgabe für Fritz Kuhn, grüner Oberbürgermeister der Stadt Stuttgart: Vier Schläge hat er gebraucht und mit dem traditionellen Fassanstich offiziell den Bierausschank auf dem Cannstatter Wasen, dem zweitgrößten Volksfest der Welt, eröffnet. Ministerpräsident Winfried Kretschmann durfte die erste Maß verkosten.

Bildergalerie: Knallbunt und feuchtfröhlich: Der Cannstatter Wasen in Bildern.

Himmelblau und gold-verziert reckt sich die Fruchtsäule auf dem Gelände des Cannstatter Wasen in den hoffentlich wolkenlosen Himmel und dient als perfekter Ankerpunkt für die Besucher des zweitgrößten Volksfestes Volksfestes der Welt. Wenn man sich auf dem 37 Hektar großen Gelände verlieren sollte, am Wasen-Wahrzeichen trifft man sich wieder. Zumindest in der Regel.

So mancher kam auch erst auf der anderen Seite des Neckar wieder zu sich, was einem gesunden Bierdurst geschuldet sein mag. Und der besteht mit Sicherheit bei vielen der Wasen-Gänger. Trotz der erneut erhöhten Bier-Preise. Zwischen 9,80 Euro und 10,20 Euro kostet der Liter im Maßkrug in diesem Jahr. Nebenbei bemerkt: Im Jahr 1970 zahlte man noch umgerechnet 1,40 Euro für den gehaltvollen Gerstensaft.

Trotz allgemein erhöhter Angst vor Terroranschlägen bleibt das Mitführen von Rucksäcken auf dem Wasengelände übrigens erlaubt. Allerdings muss der jeweilige Rucksackbesitzer damit rechnen, von den Polizei- und Ordnungskräften genauer unter die Lupe genommen zu werden.

Es besteht auch die Möglichkeit, mitgebrachte Taschen, Koffer und dergleichen sicher zu verstauen. Eigens hierfür gibt es einen Container direkt neben der Wasenwache, zwischen dem Festzelt „Zum Wasenwirt“ und dem Verwaltungsgebäude der Stuttgarter Veranstaltungsgesellschaft. Gegen eine kleine Gebühr lassen sich sperrige Gegenstände hier aufgeben. Mitnehmen muss man seine sieben Sachen allerdings noch am selben Tag.

Der Container für die Aufbewahrung von Taschen und Co. findet sich unter anderem auf dem Übersichtsplan des Cannstatter Wasen 2016.

Auf die angespannte Sicherheitslage wird außerdem mit einer erhöhten Polizeipräsenz und dem erstmalig direkt von der Polizei gesteuerten Einsatz von Überwachungskameras reagiert. Letzteres soll nicht nur terroristischen Angriffen vorbeugen, sondern auch bei der Entdeckung sexueller Übergriffe helfen.

Wie kommt man hin?

In Anbetracht der großen Auswahl an Alkoholika und der oft frustrierenden Parkplatzsituation in der Landeshauptstadt bietet es sich an, das Auto in der heimischen Garage stehen zu lassen und direkt mit dem öffentlichem Nahverkehr zum Wasen zu fahren. Die Sonderlinie U11 etwa, fährt direkt zur Haltestelle am Wasen-Gelände. Für Besucher, die größere Strecken zurückzulegen haben, lässt sich auch eine kostengünstige Fahrt im Fernbus buchen. Die meisten Fernbusse halten am zentralen Omnibusbahnhof in Obertürkheim. Mit der S1 geht es dann zügig weiter nach Cannstatt.

Und wenn man da ist?

Inmitten von bis zu 4 Millionen Besuchern findet sich für jeden die richtige Art der Unterhaltung. Tatsächlich scheinen die Veranstalter aber uneins mit sich und der altehrwürdigen Tradition des Volksfestes in Cannstatt zu sein. Zwar versucht man auch solche Besucher zu erreichen, die jenseits der 35 sind und lieber mit der Familie bei Blasmusik gemütlich im Zelt sitzen, doch gilt es auch der Feierwut der Jugend zu begegnen. Denen steht der Sinn mehr nach Party-Atmosphäre, mit Helene Fischer auf maximaler Lautstärke und viel zu süßen Schnapsmischungen aus kleinen Plastikfläschchen.

Letztere sollen die Wartezeit zwischen den Maßbestellungen verkürzen. Der gemütliche Besucher entscheidet sich da dann doch lieber für ein Glas Wasser zwischendurch. Was klüger ist liegt auf der Hand. Wer kein gutes Händchen für einen eher gediegenen Alkoholgenuss hat, zeigt sich beim Schichtwechsel vor den Zelten. Nachmittags werden die Zelte nämlich geräumt und grob gesäubert, damit sich obligatorische Bierleichen nicht schon tagsüber unter den Biertischen stapeln.

Übersicht über die Programmpunkte und wichtigen Termine auf dem Cannstatter Wasen 2016.

Schichtwechsel

Das Gedränge zum Schichtwechsel ist für viele Besucher der größte Aufreger. Wenn Tausende Bierbankhocker aus den Zelten geworfen werden, um für Tausende Bierbankhocker Platz zu machen, die schon vor den Zelten in der Schlange mit den Füßen scharren, herrscht ein kurzer Ausnahmezustand.

Mittlerweile werden allerdings nicht mehr alle Zecher gleichzeitig aus dem Zelt geworfen, der Besucher-Wechsel läuft gruppenweise und geordnet. Immerhin verteilt sich das Chaos damit auf einen größeren Zeitraum.

Wie kommt man weg?

Sollte sich der Volksfestbesucher trotz der Anfahrt mit dem eigenen Auto an Bier und Wein gütlich getan haben, muss er sein Auto nicht zwangsläufig stehen lassen. Die Heimweghilfe springt an dieser Stelle ein. Einfach zum Verwaltungsgebäude neben der Fruchtsäule gehen und dort melden. Oder anrufen unter Telefon (0711) 95543333. Ein Fahrer bringt den bierseligen Besucher dann mit seinem eigenen Auto direkt nach Hause. Zu bezahlen ist dann nur das Taxi, das den Fahrer wieder zurück zum Volksfest bringt. Ab 20 Uhr lässt sich der Fahrdienst nutzen.

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