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Kirchenkritiker Hans Küng wird am Montag 90 Jahre alt. Foto: dpa
Kirchenkritiker Hans Küng wird am Montag 90 Jahre alt. Foto: dpa
16.03.2018

Ein gläubiger Rebell: Hans Küng wird am Montag 90 Jahre alt

Tübingen. Er ist zum Vordenker einer ganzen Generation reformhungriger Katholiken geworden – Bischöfe und Päpste hat er unsäglich genervt. Viele Jahrzehnte lang wurde keine Diskussion über die Zukunft der Kirche ohne Hans Küng geführt. Am Montag wird der katholische Theologe 90 Jahre alt.

All die Probleme wie der Priestermangel oder der Skandal um sexuellen Kindesmissbrauch – für Küng sind sie die Folge einer ausufernden päpstlichen Macht. Die Kirche sei von einer Gemeinschaft der Gläubigen zu einer „geistlichen Diktatur“ geworden, schrieb er 2011. Der biblische Jesus Christus habe die Päpste beim Ausbau ihrer Macht gestört und sei deshalb verdrängt worden. Sein Gegenprogramm: Die katholische Kirche müsse sich wieder ganz auf die Bibel konzentrieren. Dort stehe nichts davon, dass Priester im Zölibat leben müssten oder dass Frauen keine Priester werden dürften.

Der gebürtige Schweizer hat zunächst eine typisch katholische Priester-Karriere eingeschlagen. Geboren wurde er am 19. März 1928 als Sohn eines Schuhhändlers in Sursee in der Schweiz. Mit 20 ging er an die Päpstliche Universität in Rom, 1960 wurde er Professor in Tübingen, wo er bis heute lebt. Küng ist glücklich, dass er den Geburtstag trotz fortschreitender Parkinsonkrankheit noch bewusst erleben kann, und will am Montag mit den engsten Freunden und Weggefährten feiern, wie der Tübinger Theologe Karl-Josef Kuschel sagt, der zu diesem Kreis zählt.

Ein Höhepunkt in Küngs Leben war die Berufung zum Berater des Zweiten Vatikanischen Konzils 1962 bis 1965. Unermüdlich hat Küng später an die dort gefassten reformorientierten Beschlüsse erinnert. In den 1970er-Jahren ging Küng endgültig auf Konfrontationskurs zu Rom und zweifelte in seinen Büchern immer vehementer die Unfehlbarkeit des päpstlichen Lehramts an. Mehrmals mahnte die Kurie ihn zur Ordnung. 1979 ließ Johannes Paul II. ihm die Lehrerlaubnis als katholischer Professor entziehen.

Doch anders als vom Vatikan gehofft, war Küng durch diesen Schritt alles andere als mundtot gemacht. Die Universität Tübingen schuf eigens für ihn einen Lehrstuhl für ökumenische Theologie. Küng wurde zu einem der wichtigsten Vordenker der Verständigung zwischen Christen, Juden und Muslimen. Mit seiner Stiftung Weltethos suchte er nach ethischen Normen, die die Menschen konfessionsübergreifend verbinden. Seine Maximalforderungen

Zuletzt hat sich Küng weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Die Krankheit raubt ihm die Kräfte.