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26.02.2015

Einbruchszahlen deutlich angestiegen: Banden schwer zu stoppen

Nochmal 20 Prozent mehr: Baden-Württembergs Polizei gelingt es nicht, die seit acht Jahren steigende Zahl der Wohnungseinbrüche im Südwesten zu senken. Etwa 13 500 dieser Delikte hat die Polizei 2014 registriert, 19,4 Prozent mehr als im Vorjahr, als Innenminister Reinhold Gall (SPD) zum verschärften Kampf gegen teils organisierte Einbrecherbanden aufgerufen hatte. «Wir sind nicht machtlos», beteuerte der SPD-Politiker bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik für 2014.

Immerhin sei es gelungen im vergangenen Jahr 1258 Einbrecher zu fassen und die Aufklärungsquote zu steigern. Diese liegt dennoch auf einem Niveau von 14 Prozent. Heißt: Fast neun von zehn Einbrüchen bleiben ungesühnt. «Das kann die Bevölkerung nicht wirklich beruhigen», mahnte Joachim Lautensack, Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG).

Das Thema bleibe ein Schwerpunkt der Polizeiarbeit, versicherte Gall. Neben der Fahndung setzte er auf Prävention: 42 Prozent der Einbrüche seien abgebrochen worden, etwa weil die Einbrecher gestört wurden oder nicht ins Haus kamen. Ziel aller müsse es bleiben, den Banden klar zu machen, dass Einbrüche im Südwesten riskant und schwierig seien. Auch sollten die Kommunen darüber nachdenken, ob sie die Straßenbeleuchtung nachts abschalten müssen.

ARMUTSKRIMINALITÄT: Als «erschreckend» bezeichnete Gall den starken Anstieg von gefassten Einbrechern aus Georgien (134) und Rumänien (85). Gall führte das auf die Armut in diesen Ländern zurück. Auf eine weiter wachsende Armutskriminalität würden auch mehr Laden- und Taschendiebstähle hindeuten. Wie die Zahl der Asylbewerber allgemein stieg auch die Zahl von Diebstählen durch sie: Die Statistik weist für das vergangene Jahr 3162 Tatverdächtige aus, 1287 mehr als noch 2013. Gall rief aber dazu auf, dieses Thema «nüchtern und sachlich» zu behandeln. Von den 594 534 Straftaten, die insgesamt 2014 im Südwesten begannen wurden, gingen 12 000 auf das Konto von Asylbewerbern, darunter 1500 Schwarzfahrer. Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger bei allen Delikten lag 2014 bei rund 36 Prozent.

AUFKLÄRUNGSQUOTE: 58,9 Prozent der im vergangenen Jahr im Südwesten begangenen Straftaten wurden laut Gall aufgeklärt. Das ist um 0,9 Prozentpunkte besser als im Vorjahr. Unter dem Strich zeigen die Zahlen der Statistik, dass Baden-Württemberg nach wie vor eines der sichersten Bundesländer sei.

MORD: Positive Zahlen hatte Gall aus der Mord-Statistik zu berichten: Die Zahl Morde oder Mordversuche ging von 102 auf 79 Fälle zurück. In der Rubrik «Straftaten gegen das Leben» meldete Gall einen Rückgang von 9,9 Prozent.

JUGENDGEWALT: 5269 Tatverdächtige unter 21 Jahren bei Gewaltdelikten bedeuten laut Innenminister einen Rückgang um 6,7 Prozent. Verglichen mit dem Höchststand aus dem Jahr 2007 ist die Zahl demnach um gut 45 Prozent gesunken.

GEWALT GEGEN POLIZEI: Als «völlig inakzeptabel» bezeichnete Gall Gewalt gegen Polizisten. Fast 3800 Fälle wurden registriert, 5,1 Prozent mehr als im Vorjahr. 1784 Polizisten sind demnach im Dienst verletzt worden. Das sind 3,1 Prozent mehr. Über 60 Prozent gefassten rund 3 400 Tatverdächtigen standen unter Alkoholeinfluss.

CANNABIS: Die Steigerung um 12,4 Prozent auf 36 216 Straftaten führt Gall auf die «mit Nachdruck geführte Bekämpfung» zurück. Man könne die Rauschgiftkriminalität in der Statistik auf null fahren, wenn man dem nicht nachgehe. Die Fälle von Besitz beziehungsweise Erwerb von Cannabis hätten sich um beträchtliche 15,1 Prozent auf 19 850 erhöht.

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