nach oben
Autobahnbrücke für Fledermäuse.
Autobahnbrücke für Fledermäuse © dpa
13.10.2014

Eine Autobahnunterführung für die Fledermäuse

Drüber hinweg? Unten hindurch? Oder doch lieber drum herum? Die Fledermaus hat im Südwesten künftig die Wahl. In Biberach sind im vergangenen Jahr zwei spezielle Fledermausbrücken installiert worden, um die Tiere gefahrlos über die Nordwestumfahrung zu lotsen.

Nun sollen Fledermäuse auch die Autobahn 8 bei Laichingen (Alb-Donau-Kreis) leichter kreuzen können: Im Zuge des Ausbaus entstehen dort zwei Unterführungen für die Tiere. Kostenpunkt: 800 000 Euro pro Durchlass.

Es ist nicht das erste Mal, dass Tiere Kommunen und Unternehmen bei Verkehrsprojekten zu kreativen Lösungen zwingen: So plante die Bahn während der Bauarbeiten für Stuttgart 21 einen Krabbelschutzzaun für Juchtenkäfer am Rand des Baufeldes um rund 20 Bäume. In der Bodenseeregion muss für den Neubau einer Bundesstraße ein Teil eines Bachs - inklusive geschützter Bachmuschel - verlegt werden. Und die Sauschwänzlebahn im Schwarzwald musste im Winter einen Zwangsstopp einlegen, weil sich in den Tunneln der Strecke rund 200 Mopsfledermäuse eingenistet hatten.

Für viele Diskussionen hatten auch die Fledermausbrücken in Biberach gesorgt. Warum fliegen die Tiere denn nicht einfach über die Straße, hatte sich so mancher Kritiker gefragt. Geht nicht, begründete der Tierökologe Jürgen Trautner, der den Landkreis bei Entwicklung und Bau der Fledermausbrücken beraten hatte, damals die Entscheidung für die Querungshilfen. «Es gibt verschiedene Arten von Fledermäusen. Manche fliegen und jagen sehr knapp über dem Boden.» Wenn sie dabei eine Straße überquerten, befänden sich die Tiere direkt auf Fahrzeughöhe. Dadurch könnten sie leicht mit Autos oder Lastwagen zusammenstoßen und verletzt oder getötet werden.

Die speziellen Konstrukte, die Ultraschallsignale senden, waren im vergangenen Jahr über der Umfahrung angelegt worden - für rund 400 000 Euro. Kritik daran hatte unter anderem der Bund der Steuerzahler geäußert. «Hoffentlich fangen die Kameras auch Bilder von freudig fliegenden Fledermäusen ein», schrieb er in seinem Schwarzbuch 2013. Sonst seien nicht nur die Baukosten in den Sand gesetzt, sondern auch 35 000 Euro für die Überwachungsmaßnahmen.

Der Kreis ist von den Bauten überzeugt. Nach ersten Ergebnissen eines Monitorings gehe man von 10 bis 30 Überflügen pro Nacht aus, teilte das Landratsamt Ende Juli mit. Nach Angaben eines Sprechers rechnet die Behörde mit abschließenden Ergebnissen Ende Oktober.

Die Brücken in Biberach könne man mit den vorgesehenen Tunneln bei Laichingen aber nicht vergleichen, sagt der zuständige Projektleiter des sechsspurigen A8-Ausbaus zwischen Hohenstadt und Ulm-West beim Regierungspräsidium Tübingen, Arnold Goller. Die Unterführungen gebe es bereits, sie seien bislang vor allem von landwirtschaftlichem Verkehr - und auch von den Fledermäusen - genutzt worden.

Da die Fahrzeuge nach dem Umbau wegen der geringeren Höhe nicht mehr unter der Autobahn hindurchpassten, werde nun zusätzlich eine Überführung gebaut. Die Tunnel wiederum blieben für Fledermäuse und andere Kleintiere erhalten, sie sollen als eine Art Durchlass aus Wellblech angelegt werden. Davor bilden Büsche und Sträucher eine Art Trichter, die die nachtaktiven Tiere, die sich mit Hilfe von Ultraschallwellen in ihrer Umgebung orientieren, durch die Tunnel leiten. Ähnlich sind auch die Querungshilfen in Biberach angelegt.

Ob das Verfahren wirklich funktioniert, lässt sich wissenschaftlich aber noch nicht genau sagen: «Bislang liegen nur sehr wenige empirische Daten zur Wirkungsweise von Querungsbauwerken vor», schreibt der Tierökologe Robert Brinkmann vom Freiburger Institut für angewandte Tierökologie in einer «Arbeitshilfe für Straßenbauvorhaben» für das Bundesland Sachsen aus dem Jahr 2012.

Jedoch hätten Untersuchungen aus den vergangenen 20 Jahren belegt, dass fast alle einheimischen Fledermausarten auf ihren Flugwegen oder bei der Jagd mit Fahrzeugen kollidieren könnten, heißt es in dem Bericht. «Es kann heute als gesichert angesehen werden, dass Fledermäuse in bestimmten Situationen durch den Aus- und Neubau von Straßen beeinträchtigt und in ihrem Bestand gefährdet werden können.»