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Kennen sich seit vielen Jahren: Ministerpräsident Winfried Kretschmann und sein Regierungssprecher Rudi Hoogvliet (links). Foto: dpa-Archiv
Kennen sich seit vielen Jahren: Ministerpräsident Winfried Kretschmann und sein Regierungssprecher Rudi Hoogvliet (links). Foto: dpa-Archiv
Kennen sich seit vielen Jahren: Winfried Kretschmann (rechts) und Rudi Hoogvliet.
Kennen sich seit vielen Jahren: Winfried Kretschmann (rechts) und Rudi Hoogvliet.
Kretschmanns rechte Hand in Berlin: Klaus-Peter Murawski .  dpa-Archiv
Kretschmanns rechte Hand in Berlin: Klaus-Peter Murawski . dpa-Archiv
Enge Vertraute: Kretschmann mit Büroleiter Florian Hassler. Foto: dpa-Archiv
Enge Vertraute: Kretschmann mit Büroleiter Florian Hassler. Foto: dpa-Archiv
Schwieriger Job: Theresa Schopper hält den Kontakt zu Partei und Fraktion.  Foto: dpa-Archiv
Schwieriger Job: Theresa Schopper hält den Kontakt zu Partei und Fraktion. Foto: dpa-Archiv
Statthalter in der Bundeshauptstadt: Volker Ratzmann .
Statthalter in der Bundeshauptstadt: Volker Ratzmann .
30.12.2016

Eingespieltes Team: Ministerpräsident Kretschmanns Strippenzieher

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat ein eingespieltes Team an seiner Seite. Kritiker meinen: der Regierungschef sei viel zu fremdbestimmt.

Insider vergleichen die Regierungszentrale in Stuttgart manchmal mit einem Bienenstock: Die Arbeit eines jeden Mitarbeiters sei darauf ausgerichtet, dem Regierungschef zu dienen. Um Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) wuseln viele Getreuen herum. Sie bereiten Entscheidungen vor, halten ihm den Rücken frei und beraten ihn in wichtigen Fragen. Selbst CDU-Politiker stellen anerkennend fest, dass Kretschmann ein eingespieltes Team hat. So etwas muss sich Vize-Regierungschef Thomas Strobl (CDU) mühsam aufbauen. Sein wichtigster Mann ist Staatssekretär Martin Jäger, den er aus dem Bundesfinanzministerium in Berlin abwarb.

Kritiker meinen, der Ministerpräsident sei mittlerweile viel zu fremdbestimmt. „Was habe ich mit diesen Menschen zu tun“, entfuhr es Kretschmann zum Beispiel im Herbst, als er vor der Presse kritische Fragen zur Besetzung von Chefposten mit grünen Politikern in Landesunternehmen beantworten musste. Und wer von den Grünen in den Koalitionsverhandlungen mit der CDU die Idee guthieß, geheime Nebenabreden zu Papier zu bringen, die letztlich gerade auch dem Ansehen des Ministerpräsidenten schadeten, ist bis heute unklar.

Einer der engsten Vertrauten ist der gebürtige Niederländer Rudi Hoogvliet, der aus der Werbebranche kommt. Er kennt Kretsch- mann seit vielen Jahren und hat beste Kontakte zur Medienbranche, auch in Berlin. Er managte schließlich drei Bundestagswahlkämpfe für die Grünen, ist seit 2011 Kretschmanns Regierungssprecher und gilt als einer seiner wichtigsten Berater. Kretschmann denkt in sehr langen Linien, redet manchmal etwas verquer, doch Hoogvliet lässt ihn gewähren – weil man Kretschmann schwer ändern kann und dieser mit seinem ganz eigenen, authentischen Stil gar nicht so schlecht fährt.

Vor allem, wenn sich in Berlin die Ministerpräsidenten treffen, ist Klaus-Peter Murawski Kretschmanns rechte Hand. Der 66 Jahre alte Staatsminister ist als Chef der Staatskanzlei der höchste Beamte in der Regierungszentrale, ein ausgewiesener Verwaltungsfachmann und Strippenzieher – dann, wenn es um Abstimmungen zwischen den Bundesländern und mit der Bundesregierung geht. Murawski, der früher der FDP angehörte, heute aber Grüner ist, wird neben seiner Sachkunde ein ausgeprägtes Ego nachgesagt. Eigentlich hätte er in Pension gehen können. Doch aus Loyalität zu Kretschmann macht er weiter.

Im Staatsministerium selbst hat Kretschmann noch zwei weitere enge Vertraute: Seinen Büroleiter Florian Hassler und die aus Bayern stammende Theresa Schopper, die den Kontakt zur grünen Landespartei und grünen Landtagsfraktion hält. Das Aktionsfeld von Volker Ratzmann ist hingegen in Berlin zu suchen. Der 56-Jährige ist Bevollmächtigter des Landes beim Bund. Er vertritt die Interessen Baden-Württembergs auf bundespolitische Ebene und ist Kretschmanns wichtigster Statthalter in der Hauptstadt. Zuvor war er Fraktionschef der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus. Der Realo trat dort aber nach heftigen Diskussionen zwischen dem Realo- und linken Flügel zurück.

Wenn allerdings die Frage auf Kretschmanns mögliche Nachfolge kommt, fällt häufig der Name Edith Sitzmann. Sie zeichnet eine große Loyalität zu Kretschmann aus. Zu grün-roten Regierungszeiten hat die 53-Jährige Kretschmann als Fraktionschefin den Rücken freigehalten. Sie organisierte im Landtag Mehrheiten und sorgte auch dafür, dass interne Kritik an Kretschmann überwiegend nicht nach außen drang. Heute hat sie als Finanzministerin das wohl wichtigste Ressort in der grün-schwarzen Landesregierung inne. „Hinter den Zahlen bilden sich alle Projekte ab, alle Ausgaben, alle Einnahmen des Landes“, erklärte die Ministerin kurz nach ihrem Amtsantritt. So einen Überblick über die anderen Ministerien hat sonst nur noch das Staatsministerium.