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05.10.2015

Eisverkäuferin erwürgt: Mordanklage nach fast 30 Jahren

Karlsruhe. Fast 30 Jahre nach dem ungesühnten Mord an einer jungen Italienerin in einem Karlsruher Waldstück kommt am Dienstag der mutmaßliche Täter vor Gericht. Der heute 48 Jahre alte Mann hatte sich Ende Februar im schweizerischen Basel der Polizei gestellt – wohl, weil er mit der Schuld nicht mehr leben und sein Gewissen erleichtern wollte. Die 25-jährige Eisverkäuferin war am 21. Juni 1987 im Hardtwald erdrosselt worden.

Der als „Hardtwald-Mord“ bekanntgewordene Fall hatte für großes Aufsehen gesorgt. Eine 20-köpfige Mordkommission hatte die Tat nicht aufklären können, obwohl Zeugen einen jungen Mann beobachtet hatten. Die junge Frau war an einem Sonntagnachmittag auf ihrem Fahrrad unterwegs gewesen, als sie angehalten und ins Dickicht des wenig frequentierten Waldstücks gezogen wurde. Spaziergänger hatten ihre Leiche einen Tag später im Wald gefunden; völlig bekleidet und mit einem Strick um den Hals. Die Obduktion hatte seinerzeit ergeben, dass die 25-Jährige sexuell missbraucht wurde, ehe der Täter sie erdrosselte.

Wie sich jetzt herausstellte, war der Mann nur Tage vorher von Karlsruhe in die Schweiz ausgewandert, wo er seither unauffällig lebte. Sein Geld hatte er dort als Gelegenheitsarbeiter verdient. Im Fokus der Ermittler stand er nie. Nach seinem Geständnis vor der Baseler Polizei wurde er nach Deutschland ausgeliefert und sitzt seit März in Untersuchungshaft. Ob für ihn das Jugendstrafrecht angewandt wird - der Mann war zum Zeitpunkt des Mordes erst 20 - wird vermutlich erst „im Urteil entschieden“, sagte ein Sprecher des Karlsruher Landgerichtes. Für den Prozess sind fünf Verhandlungstage anberaumt; das Urteil wird für den 16. Oktober erwartet.