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19.04.2011

EnBW hat Geldsorgen und will trotzdem investieren

KARLSRUHE. EnBW-Chef Hans-Peter Villis will den Ausbau Erneuerbarer Energien massiv vorantreiben - wo das Geld dafür herkommen soll, ließ er am Dienstag bei der Hauptversammlung weitgehend offen. Acht Milliarden Euro würde eine Verdoppelung des EnBW-Anteils an Erneuerbaren Energien auf 20 Prozent bis 2020 kosten, sagte Villis in Karlsruhe. Der Spielraum für Investitionen sei wegen «externer Belastungen» wie der Brennelementesteuer, den Zahlungen in den Öko-Fonds und den stillgelegten Meilern Neckawestheim I und Philippsburg I aber beschränkt.

«Jeder außerplanmäßige Stillstand unserer Kernkraftwerke und jede weitere energiepolitische Belastung schränkt unsere Investitionsspielräume empfindlich ein», warnte er. Sollten die beiden Meiler Neckarwestheim 1 und Philippsburg 1 abgeschaltet bleiben, könnte das den Betreiber EnBW in diesem Jahr zwischen 350 und 450 Millionen Euro kosten. Das sagte Finanzvorstand Thomas Kusterer am Dienstag in Karlsruhe bei der Hauptversammlung des Unternehmens. Eingerechnet in diese Summe seien Sondereffekte: Bereits verkaufte Strommengen müssten im Falle weiter abgeschalteter Meiler zugekauft werden. Die Einbußen für die Zeit des dreimonatigen Moratoriums bezifferte EnBW auf rund 80 Millionen Euro.

Geld für Investitionen soll zum Teil aus dem Verkauf «strategisch weniger bedeutsamer Beteiligungen» im Ausland für etwa 1,8 Milliarden Euro kommen. Zudem sollten zusätzliche Spar- und Effizienzprogramme einen «mittleren dreistelligen Millionenbetrag» bringen.

Stadtwerke sollen sich - wie schon bei Baltic 1 - auch am Windpark Baltic 2 beteiligen: Damit soll Geld an den Betreiber EnBW zurückfließen. Beim 200 Millionen teuren Baltic 1 haben Stadtwerke bereits Optionen auf 49,9 Prozent. In ähnlicher Größenordnung sind Beteiligungen an Baltic 2 geplant, in das EnBW eine Milliarde Euro investiert.

Voraussetzung für die immensen Investitionen bis 2020 sei aber, dass Belastungen von außen nicht weiter zunähmen, sagte Villis. Das Unternehmen hatte bereits im Februar mitgeteilt, wegen der Brennelementesteuer und den Zahlungen in den Ökofonds seine Investitionen von 7,9 auf 5,1 Milliarden Euro zurückfahren zu müssen. Villis' Rede wurde anfangs von Zwischenrufen wütender Aktionäre begleitet. «Eigentlich sind Sie pleite», rief ein Kritiker anschließend bei der Aussprache.

EnBW will künftig verstärkt auf «dezentrale Erzeugung» setzen und erneuerbare Energieanlagen vor Ort aufbauen und betreiben. Kommunen und Stadtwerken sollten neue Partnermodelle angeboten werden. «Dezentrale Energieerzeugung-Klimaschutz-Kommune: Dieser Dreiklang muss für uns ein noch engerer Zusammenhang werden», sagte Villis.

Der EnBW-Chef warnte erneut vor den Risiken des Atomausstiegs. Dazu zählten eine mangelnde Stabilität des Netzes und die Möglichkeit steigender Strompreise. In einer «ehrlich und verantwortungsvoll geführten Debatte um die Neuausrichtung des deutschen Energiesystems» dürften diese Hinweise nicht fehlen, sagte Villis.

Auf dem Programm der Hauptversammlung stand auch die Neuwahl des Aufsichtsrats. Neben den bereits bekannten Kandidaten soll die Geschäftsführerin der Stadtentwässerung Dresden und Ex-Grünen-Chefin Gunda Röstel berufen werden. Sie soll den Posten übernehmen, den die abgewählte schwarz-gelbe Landesregierung dem Mannheimer Wirtschaftswissenschaftler Wolfgang Franz zugedacht hatte. Franz hatte nach dem Wahlsieg von Grün-Rot angekündigt, auf der Hauptversammlung sein Mandat niederzulegen. dpa