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Der Karlsruher Energieversorger EnBW muss sich in der Energiewende neu erfinden. Zunächst aber drücken Kosten und Altlasten auf die Ertragslage. Auf der Hauptversammlung fordert Vorstandschef Mastiaux Geld vom Bund für den Weiterbetrieb unrentabler Kohlekraftwerke.
Der Karlsruher Energieversorger EnBW muss sich in der Energiewende neu erfinden. Zunächst aber drücken Kosten und Altlasten auf die Ertragslage. Auf der Hauptversammlung fordert Vorstandschef Mastiaux Geld vom Bund für den Weiterbetrieb unrentabler Kohlekraftwerke. © dpa
29.04.2014

EnBW stimmt Anteilseigner auf weiteren Gewinnrückgang ein

Angesichts sinkender Erträge aus der Stromerzeugung forciert der Energiekonzern EnBW den Aufbau neuer Geschäftsfelder. Der Gewinn werde in diesem Jahr um bis zu fünf Prozent zurückgehen, sagte Vorstandschef Frank Mastiaux am Dienstag auf der Hauptversammlung in Karlsruhe. Künftig werde der drittgrößte deutsche Stromversorger verstärkt digitale Dienstleistungen für private Haushalte anbieten und Unternehmen beim Energie-Management unterstützen. Die Strompreise für private Haushalte sollen in diesem Jahr stabil bleiben, teilte der Versorger mit.

Eine rückläufige Ergebnisentwicklung erwartet EnBW in diesem Jahr bei Stromerzeugung und Handel (bis zu minus fünf Prozent) sowie im Geschäft mit Energienetzen (minus 5 bis 15 Prozent). Im Vertrieb von Gas, Strom und anderen Produkten erwartet der Konzern ein Plus von 10 bis 20 Prozent, das Geschäft mit erneuerbaren Energien soll um 5 bis 15 Prozent zulegen. «Dazu werden neue Onshore- und Offshore-Windprojekte beitragen», sagte Mastiaux. Im vergangenen Jahr blieb EnBW unterm Strich nur ein kleiner Überschuss von 51 (Vorjahr: 484,2) Millionen Euro, bei einem Umsatzplus von 6,3 Prozent auf 20,5 Milliarden Euro.

Hauptaktionäre der EnBW sind mit jeweils 46,75 Prozent das Land Baden-Württemberg und der Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW), ein Zusammenschluss von neun Landkreisen. Lediglich 0,39 Prozent der Aktien befinden sich in Streubesitz. Die Aktionäre erhalten nach einem Vorschlag des Vorstands für 2013 eine im Vergleich zum Vorjahr (0,85 Euro) reduzierte Dividende von 69 Cent je Aktie.

EnBW fordert eine vollständige Erstattung der Kosten, die aus Gründen der Versorgungssicherheit beim Weiterbetrieb unrentabler Kraftwerke entstehen. «Die fehlende Wirtschaftlichkeit der konventionellen Erzeugung ist momentan das drängendste Problem der Energiewende», sagte Mastiaux. Hierfür müsse die Bundesnetzagentur sehr schnell eine Lösung anbieten.

EnBW will vier unrentable Kohlekraftwerke vom Netz nehmen - dies hat die Bundesnetzagentur für Kraftwerksblöcke in Marbach und Walheim aber untersagt, weil die Anlagen nach dem Aus für zwei Atomkraftwerke im Südwesten als «systemrelevant» eingestuft wurden. Bei zwei weiteren unrentablen Kohleblöcken wird die Systemrelevanz noch geprüft.

Die rückläufigen Strompreise im Großhandel machen allen Energieversorgern zu schaffen - im vergangenen Jahr sind sie um 20 Prozent gesunken. «Eine Besserung der Marktsituation ist im laufenden Geschäftsjahr nicht in Sicht», sagte Mastiaux. «Wir gehen davon aus, dass die negative Entwicklung bei Großhandelsmarktpreisen und Kraftwerksmargen anhält.»

Warum sind die Strompreise für die Haushalte weiter hoch, wenn sie im Großhandel sinken? Auf diese Frage eines Aktionärs antwortete Vertriebsvorstand Dirk Mausbeck, dass die Stromtarife die Entwicklung der Preise über mehrere Jahre hinweg spiegelten. Hinzu kämen zusätzliche Kosten wie die Netzentgelte. Der gegenwärtige Preisrückgang im Großhandel werde sich erst in den nächsten Jahren bei den Stromtarifen für Haushalte bemerkbar machen.

In der Diskussion auf der Hauptversammlung kritisierten mehrere Aktionäre, dass die Stromerzeugung aus Kohle und damit auch die CO2-Emissionen weiter zunehmen. Vertreter von Menschenrechtsorganisationen prangerten umwelt- und gesundheitsschädliche Bedingungen für den Kohleabbau in Kolumbien und den USA an.