nach oben
12.03.2009

Erste Hinweise auf Motiv des Winnenden-Amokläufers - Eltern verlassen Wohnort

WINNENDEN. Einen Tag nach dem Amoklauf eines 17-Jährigen an einer Realschule in Winnenden bei Stuttgart gibt es offenbar erste Hinweise auf das Motiv des Schützen. Es lägen Anhaltspunkte zu der Tat vor, sagte der Waiblinger Polizeichef Ralf Michelfelder am Donnerstag im ZDF-„Morgenmagazin“ in Winnenden.

Während der ganzen Nacht sei das Umfeld des Täters ausgeleuchtet worden. Einzelheiten sollten noch am Donnerstag auf einer Pressekonferenz mitgeteilt werden. Die Uhrzeit stand zunächst noch nicht fest.

Der Täter hatte am Mittwoch 15 Menschen erschossen, bevor er sich nach Polizeiangaben selber tötete. Am Tatort wurden unterdessen die kriminaltechnischen Untersuchungen fortgesetzt. Dabei werde die örtliche Polizei von Beamten des Bundeskriminalamts (BKA) unterstützt, sagte ein Polizeisprecher auf ddp-Anfrage. Er erklärte zugleich, dass im Zimmer des 17-jährigen Täters zahlreiche „Ballerspiele“ für Computer gefunden worden, darunter „Counter-Strike“. Der Polizeisprecher schränkte allerdings ein, dass solche Spiele inzwischen zum Alltag von Jugendlichen gehörten.

Michelfelder zufolge hatte der 17-jährige Tim K. während seines Amoklaufs mindestens 60 Schüsse in der Schule abgefeuert. Allein diese Anzahl zeige, wie massiv der Täter vorgegangen sei. Der 17-Jährige hatte 15 Menschen erschossen und sich nach einem Schusswechsel mit Polizisten offenbar selbst getötet. Die Obduktionsergebnisse lagen noch nicht vor.

Die Tatwaffe entwendete er den Ermittlungen zufolge aus dem Schlafzimmer seines Vaters. Es deute alles darauf hin, dass der Vater die Waffe nachlässig aufbewahrt habe, sagte Michelfelder. Die Staatsanwaltschaft werde nun prüfen, welche Maßnahmen gegen das Mitglied eines Schützenvereins eingeleitet werden müssten.

Nach dem Amoklauf von Winnenden wird gegen den Vater des Täters wegen Verstoßes gegen das Waffenrecht ermittelt. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte der 17-jährige ehemalige Schüler Tim K. die Tatwaffe aus dem Schlafzimmer der Eltern entwendet. Alle anderen Waffen des Vaters lagen sicher in einem Tresor. „Es deutet alles darauf hin, dass der Vater hier nachlässig war, was das Verwahren dieser einen Waffe anbelangt“, sagte der leitende Kriminaldirektor Ralf Michelfelder am Donnerstag im ZDF-Morgenmagazin.

Die Eltern des 17 Jahre alten Amokläufers von Winnenden haben ihren Wohnort derweil verlassen. „Die Eltern sind bereits am Mittwoch auf eigene Initiative hin gegangen“, sagte Polizeisprecher Klaus Hinderer in Waiblingen am Donnerstag. Der Ort ihres Verbleibs werde nicht bekanntgegeben. Sie wollten in Ruhe gelassen werden. „Sie werden nicht von der Polizei geschützt.“ Das Haus der Eltern liegt in einer Sackgasse in Leutenbach rund 25 Kilometer nordöstlich von Stuttgart. Das Elternhaus wurde am Vortag von Journalisten belagert.

Zum Hergang der Tat lagen am Morgen zunächst keine neuen Erkenntnisse vor. Aufgrund des ausgedehnten Tatorts in der Schule stehen die Ermittler laut dem Polizeichef vor einer „massiven“ Aufgabe. Die Schule war am Tag nach dem Amoklauf weiterhin abgesperrt. Am Morgen fand ein Treffen der Schüler mit Psychologen und Ermittlern statt.

ddp/dpa