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Der Oberbürgermeister der Stadt Konstanz, Horst Frank, hat Kommunalgeschichte geschrieben. Er war vor 16 Jahren der erste grüne OB Deutschlands.
Der Oberbürgermeister der Stadt Konstanz, Horst Frank, hat Kommunalgeschichte geschrieben. Er war vor 16 Jahren der erste grüne OB Deutschlands. © dpa
25.06.2012

Erster grüner OB Horst Frank scheidet in Konstanz aus dem Amt

Konstanz. Seine Wahl machte Schlagzeilen: Im Juli 1996 wurde Horst Frank Oberbürgermeister der Stadt Konstanz - als deutschlandweit erster Grüner in einem solchen Amt. 16 Jahre lang lenkte der heute 63-Jährige vom Rathaus aus die Geschicke der Stadt mit rund 81.000 Einwohnern. Doch nun ist Schluss: Bei der nächsten Wahl am 1. Juli will Horst Frank nicht mehr kandidieren. «16 Jahre sind genug», gab er im Herbst letzten Jahres bekannt.

Mit Horst Frank scheidet ein Oberbürgermeister aus dem Amt, der auch in der eigenen Partei nicht unumstritten war. Schon im Wahlkampf zeigte der Grüne sich eher bürgerlich: Auch bei größter Hitze trat Frank in Konstanz immer mit Jackett und Krawatte auf. Der Anwalt hatte stets betont, dass er einen eigenständigen Weg gehen wolle und nicht alle seine Ansichten deckungsgleich mit denen der Grünen seien. Er sprach sich damals für eine aktive Wirtschaftsförderung aus, die auch sinnvolle Sozialpolitik bedeute.

Gegen eine Bürgerinitiative und Kritiker aus den eigenen Reihen machte er sich beispielsweise für ein Einkaufszentrum in der Konstanzer Innenstadt stark. Im Jahr 2010 erlitt Frank eine Niederlage, als die Bürger mit großer Mehrheit seine Pläne für ein 60 Millionen teures Konzert- und Kongresshaus ablehnten. Es war nicht der erste Versuch: 2003 waren die Bürger zu einem ähnlichen Projekt befragt worden. Die Gegner waren in der Mehrheit, verfehlten aber das Quorum, das damals 30 Prozent betrug.

Horst Frank ist gebürtiger Konstanzer, ging später aber für ein Jurastudium nach Freiburg und München. Seit 1985 war er als Rechtsanwalt in Konstanz tätig, seit 1995 in Erfurt - er regelte für Klienten unter anderem vermögensrechtliche Ansprüche und verfolgte Eigentumsrückübertragungen. 1996 wurde Horst Frank zum OB der Stadt Konstanz gewählt - er setzte sich mit 35,7 Prozent der Stimmen deutlich gegen 14 andere Kandidaten durch. Die 2004 erfolgte Wiederwahl für seine zweite Amtszeit lief nicht ganz so glatt: Frank erhielt erst im zweiten Wahlgang mit 38,6 Prozent der Stimmen die dann nötige einfache Mehrheit.

Seine Ankündigung im vergangenen Herbst, nicht mehr kandidieren zu wollen, kam für viele überraschend. «Die Aufgabe hat mir wirklich Freude gemacht», sagte Frank. In Zukunft wolle er aber mehr Zeit mit seiner Familie verbringen. Nachdem sich zuerst wochenlang kein Bewerber finden ließ, wollen ihn inzwischen 13 Kandidaten in seinem Amt in Konstanz beerben. Nach derzeitiger Rechtslage hätte der inzwischen 63-Jährige ohnehin nicht die volle Legislaturperiode von acht Jahren im Amt bleiben können. Die Altersgrenze für Bürgermeister liegt laut baden-württembergischer Gemeindeordnung bei 68 Jahren. dpa