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Kommen mehr Menschen in die Gottesdienste, wenn am Sonntag nicht schon um 10.00 Uhr gepredigt wird, sondern erst am Nachmittag oder Abend? Die Kirchen im Südwesten sind in dieser Frage zwiegespalten.
Kommen mehr Menschen in die Gottesdienste, wenn am Sonntag nicht schon um 10.00 Uhr gepredigt wird, sondern erst am Nachmittag oder Abend? Die Kirchen im Südwesten sind in dieser Frage zwiegespalten. © dpa
23.05.2015

Evangelische Kirche: Keine Abkehr vom Gottesdienst am Sonntagmorgen

Leere Gotteshäuser am Sonntagmorgen lassen sich aus Sicht der Kirchen im Südwesten nicht einfach durch spätere Gottesdienste füllen. Von der Tradition am Sonntagmorgen wollen weder Protestanten noch Katholiken lassen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Die westfälische Präses Annette Kurschus hatte eine Debatte über die Verschiebung des Gottesdienstes angestoßen. «Die Lebenswirklichkeit von Familien ist eine andere geworden», sagte das Oberhaupt der Evangelischen Kirche von Westfalen.

Umfrage

Sind die evangelischen Kirchen so leer, weil der Gottesdienstbeginn sonntags um 10 Uhr der falsche Zeitpunkt ist?

10 Uhr ist in Ordnung 37%
Früher wäre besser 3%
Nachmittags wäre ideal 7%
Abends kommen mehr 14%
Mir egal 39%
Stimmen gesamt 260

KARLSRUHE: «Der Sonntagvormittag soll nicht aufgegeben werden», sagte Daniel Meier vom Evangelischen Oberkirchenrat in Karlsruhe. Dies entspreche auch der Tradition, die Auferstehung am Morgen zu feiern. Der Sonntagnachmittag sei dafür nicht geeignet. «Wir wollen neue Formen einführen, die alten aber nicht aufgeben.» Als Beispiel nannte Meier besondere Gottesdienstangebote für Familien und die gemeinsame Gottesdienstgestaltung von Nachbargemeinden. Auch gebe es den Trend, dass evangelische Christen auch Gottesdienste anderer Gemeinden besuchten.

ROTTENBURG: Bei der katholischen Diözese Rottenburg-Stuttgart gibt es laut Sprecher Uwe Renz «aktuell keine Überlegungen» vom Sonntagmorgen abzurücken. «Ich bin mir auch nicht sicher, ob man die Leute am Sonntagabend in die Kirche locken könnte», sagte Renz. Letztlich sei nicht die Frage entscheidend, zu welchem Zeitpunkt ein Gottesdienst beginne, sondern wie wichtig jedem Einzelnen das Glaubensleben sei.

STUTTGART: Laut württembergischer Landeskirche gibt es bereits eine ganze Reihe von späteren Gottesdiensten am Sonntag. Etwa im Stuttgarter Westen, wo in der Gedächtniskirche um 10.00 Uhr Gottesdienst gefeiert werde, in der Rosenbergkirche aber 17.00 Uhr. Die «Gospelhaus-Gottesdienste» in der Friedenskirche begännen stets um 19.00 Uhr. Es spreche nichts gegen spätere Gottesdienste, so Sprecher Oliver Hoesch, der Vormittag habe aber den Vorteil der Verlässlichkeit. Auch, wenn man mal mit anderen Gemeinden im Land feiern wolle. Und der Gottesdienst am Sonntagmorgen strukturiere den Tag. «Also: Früh ist gut, später geht auch – nur ein Sonntag ohne Gottesdienst ist nicht vorstellbar.»

FREIBURG: Populäre Gottesdienste am Sonntagabend sind in Freiburg nichts Neues, wie Robert Eberle, Sprecher der Erzdiözese sagt. Grundsätzlich entschieden die Gemeinden das aber selbst. Eine Vorgabe bekämen sie nicht. Im Freiburger Münster etwa gebe es Gottesdienst am Sonntagabend oder auch am Mittag. Die Studentengemeinde treffe sich zu ihrer Eucharistiefeier regelmäßig am Sonntag um 19.00 Uhr in der Unikirche. Die Lebensgewohnheiten der Menschen änderten sich nun mal, so Eberle. Die Kirche gehe da mit.