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Der ehemalige FDP-Fraktionsvorsitzende Noll ist im Alter von 65 Jahren der unheilbaren Muskelerkrankung ALS erlegen. Foto: dpa
noll © dpa
13.07.2011

Ex-FDP-Fraktionschef Noll ist gestorben

STUTTGART. Nur wenige Monate nach seinem Abschied aus dem Stuttgarter Landtag ist der frühere FDP-Fraktionschef und Querdenker Ulrich Noll gestorben. Der 65-Jährige erlag am Dienstagabend den Folgen der unheilbaren Muskelerkrankung ALS. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Hans-Ulrich Rülke erklärte am Mittwoch, Nolls Tod mache alle Abgeordneten «sehr betroffen». Landtagspräsident Willi Stächele (CDU) sagte vor einer Gedenkminute im Landtag: «Wir werden uns seiner stets dankbar erinnern.» Noll war in seiner Zeit als Fraktionschef von 2004 bis 2009 für die CDU ein unbequemer Koalitionspartner. Er hinterlässt seine Frau, zwei Kinder und vier Enkel.

 

Der wortmächtige FDP-Politiker, der eigentlich Zahnarzt war, zog 1996 erstmals in den Landtag ein. Zur Landtagswahl am 27. März war der Nürtinger Abgeordnete nicht mehr angetreten. Knapp zwei Jahre vorher war er überraschend als Fraktionschef abgewählt worden. Die FDP-Führung sprach nachher von einem «Betriebsunfall», da einige Abgeordnete unabgesprochen Noll einen Denkzettel für seine häufigen Alleingänge hätten verpassen wollen. Andere sprachen von einer Intrige gegen ihn.

 

Noll war in seiner Zeit als Fraktionschef Gegenspieler des damaligen CDU-Fraktionsvorsitzenden Stefan Mappus. Der profilierte Sozial- und Gesundheitsexperte setzte sich unter anderem für eine Öffnung der FDP in Richtung SPD ein. Damit zog er sich den Unmut von Landeschefin Birgit Homburger und des damaligen Justizministers Ulrich Goll zu, die in ihm einen ständigen Unruheherd in der Koalition sahen. Goll lobte Noll am Mittwoch im Landtag, dieser sei sich seiner Linie immer treu geblieben.

 

In der Bildungspolitik war Noll häufig näher an den Positionen von SPD und Grünen, wofür er parteiintern Kritik einstecken musste. Der Liberale setzte sich für längeres gemeinsames Lernen und die sechsjährige Grundschule ein. Der Hauptschule sagte er schon 2009 das nahe Aus voraus. Als Noll dann auch noch die Bildungsoffensive des Landes kritisierte, nannte Mappus seinen Gegenpart einen «outlaw» (Gesetzlosen).

 

Für Furore sorgte Noll, als er im Sommer 2007 seinen Verbleib im Amt des Fraktionschefs mit dem Ausbau des Stuttgarter Flughafens verknüpfte. Als Nürtinger Abgeordneter war er ein strikter Gegner einer neuen Start- und Landebahn. Darüber hinaus machte er sich schon früh für einen schnelleren Ausstieg aus der Atomkraft stark, was ihm damals in der FDP heftige Vorwürfe eintrug.

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