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Gabriele Dietz-Paulig erscheint vor dem Familiengericht. Das frühere Heimkind Dietz-Paulig will nicht für seine pflegebedürftige Mutter zahlen nachdem diese sie zunächst in ein Säuglings- und dann bis zur Volljährigkeit in ein Kinderheim gegeben hatte.
Gabriele Dietz-Paulig erscheint vor dem Familiengericht. Das frühere Heimkind Dietz-Paulig will nicht für seine pflegebedürftige Mutter zahlen nachdem diese sie zunächst in ein Säuglings- und dann bis zur Volljährigkeit in ein Kinderheim gegeben hatte. © Foto: dpa
27.02.2018

Ex-Heimkind will nicht für Mutter zahlen - Amt schlägt Einigung vor

Offenburg. Mit einem Vergleichsvorschlag ist am Dienstag der zweite Prozesstag um finanzielle Forderungen der Behörden an ein ehemaliges Heimkind im baden-württembergischen Offenburg zu Ende gegangen. Die mittlerweile 55 Jahre alte Frau aus dem hessischen Rodgau (Kreis Offenbach) wehrt sich dagegen, für ihre pflegebedürftige Mutter Unterhalt zahlen zu müssen. Der Anwalt der Klägerin, Michael Klatt, bestätigte den Vergleichsvorschlag des Gerichts.

Demnach würde seine Mandantin künftig 30 Prozent des errechneten Unterhalts - er beträgt etwa 760 Euro - monatlich zahlen. Ob sie sich auf den Vorschlag einlässt, ließ er zunächst offen. «Wir prüfen das», sagte er nach dem Ende der nicht-öffentlichen Sitzung am Familiengericht in Offenburg.

Das zuständige Landratsamt hatte ihm zufolge in der Verhandlung angeboten, die errechneten Unterhaltszahlungen zu reduzieren, so dass seine Mandantin nur noch 40 Prozent der Summe zahlen müsse. Das Gericht kam demnach aber zu einem anderen Vorschlag.

Zuvor hatte Klatt das Landratsamt Ortenaukreis kritisiert. «So wird etwa versucht, die frühere Situation meiner Mandantin herunterzuspielen», sagte er. Das Schicksal als Heimkind werde relativiert und als damals übliche Praxis dargestellt.

Am Dienstag wurden mehrere Zeugen gehört, unter anderem die Schwester der Frau. Bei der Anhörung ging es um die Frage, inwieweit die Mutter und ihre Tochter regelmäßigen Kontakt hatten. Während der Anwalt der 55 Jahre alten Klägerin von «sporadischen Kontakten» sprach, widersprach Kai Hockenjos vom Landratsamt. «Wir haben durchaus Verständnis für die Situation», sagte der Sprecher. Doch gebe es Gesetze, an die man sich halten müsse.

Anders als von der Klägerin angegeben, habe es regelmäßig Kontakt zwischen ihr und der Mutter gegeben. Das könne man durch Fotos und Zeugenaussagen belegen. Zu den Vergleichsvorschlägen wollte sich der Sprecher nicht äußern. Man hoffe, dass der Fall mit einem Kompromiss ende. Der nächste Verhandlungstag ist für den 12. April vorgesehen.

Die Klägerin selbst wollte sich am Dienstag nur kurz äußern. «Ein solches Verfahren wird nie Routine», sagte Gabriele Dietz-Paulig kurz vor Beginn des zweiten nicht-öffentlichen Verhandlungstages. Sie erhalte viel Zuspruch für ihre Haltung. Das sei ermutigend.