nach oben
Foto: dpa/Symbolbild
Foto: dpa/Symbolbild
25.02.2018

Ex-Heimkind will nicht für seine Mutter zahlen - Prozess geht weiter

Rodgau/Offenburg. Ein ehemaliges Heimkind aus dem Rhein-Main-Gebiet wehrt sich vor Gericht dagegen, die Pflegekosten für seine Mutter zu übernehmen.

Die Mutter hatte die inzwischen 55 Jahre alte Frau kurz nach der Geburt weggegeben - «aus dem Kreißsaal heraus», wie ihr Anwalt Michael Klatt sagt. Gabriele Dietz-Paulig wuchs in einem Heim auf, fast ohne Kontakt zur Mutter. Diese lebt inzwischen im baden-württembergischen Offenburg in einem Pflegeheim. Das Sozialamt des zuständigen Ortenaukreises fordert - nach Angaben des Anwalts - jetzt einen Betrag von rund 760 Euro monatlich für die Heimkosten der pflegebedürftigen Mutter.

Der Fall hat grundsätzliche Bedeutung, sagt eine Gerichtssprecherin. Die Verhandlung vor dem Familiengericht Offenburg geht an diesem Dienstag (27. Februar/9.00 Uhr) weiter, sie ist nichtöffentlich.

Anwalt Klatt ist vor dem zweiten Verhandlungstag «ganz zuversichtlich». Es gebe einen Hinweis vom Gericht, nachdem nicht erkennbar sei, dass Dietz-Pauligs Mutter besondere Gründe gehabt habe, ihre Tochter nach der Geburt wegzugeben.

Beide Seiten hätten für die Verhandlung je drei Zeugen benannt. Darunter seien eine Verwandte der nicht-verhandlungsfähigen Mutter, ihre derzeitige Betreuerin sowie eine Schwester von Dietz-Paulig und eine Patin. Die Schwester der Mutter habe eine schriftliche Erklärung abgegeben. Die ersten Tage nach ihrer Geburt habe Dietz-Paulig bei dieser Tante und einer Großmutter verbracht.

Keine sechs Wochen danach sei sie in einem Säuglingsheim in Offenbach (Hessen) gelandet, später in einem Kinderheim. Dort habe sie bis zu ihrer Volljährigkeit gelebt. «Sie war nicht einen einzigen Tag bei der Mutter», sagt Klatt: «Da besteht überhaupt nichts an emotionalem Band.». Der inzwischen gestorbene Vater sei zum Zeitpunkt der Geburt in Haft gewesen, später sei die Ehe geschieden worden.

Seine Mandantin müsse alles nachweisen, was nach mehreren Jahrzehnten schwierig sei. So sei beispielsweise ihre Jugendamtsakte weg. Es gebe auch nicht mehr viele Zeitzeugen, die etwas Konkretes sagen könnten.

Die «ungedeckten Heimkosten» für die Mutter liegen Klatt zufolge bei deutlich über 1000 Euro. Die im Fall seiner Mandantin errechnete «Leistungsfähigkeit», also was als zumutbar erachtet wird, sei auf rund 760 Euro errechnet worden. Dass Gabriele Dietz-Paulig vom Sozialhilfeträger - dem Ortenaukreis - herangezogen werde, sei eine «unbillige Härte».

Von Dietz-Pauligs vier Geschwistern habe die Mutter drei ebenfalls weggegeben. Die Tochter, die bei der Mutter blieb, sei früh gestorben. Der einzige Sohn wurde adoptiert und sei somit nicht unterhaltspflichtig. Die älteste Tochter, die schon als Zeugin gehört worden war, sei nur zu einem geringen Bruchteil von 70, 80 Euro im Monat leistungsfähig, die andere Tochter gar nicht.

Zu einer Annäherung beider Seiten war es am ersten Verhandlungstag Mitte Januar nicht gekommen. Klatt rechnet jedoch damit, dass nach dem zweiten Verhandlungstag bereits ein Urteil ergehen könnte - üblicherweise dauere dies sonst drei bis vier Wochen.

Die Behörde setzt trotz der gerichtlichen Auseinandersetzung auf eine Annäherung. «Wie wir schon frühzeitig signalisierten und am ersten Verhandlungstag wiederholten, sind wir für eine einvernehmliche Lösung weiterhin offen», sagt ein Sprecher des Ortenaukreises.

«Nicht nachvollziehbar ist für uns, dass ein Prozess angestrebt wurde, obwohl wir den Sachverhalt noch gar nicht abschließend beurteilen konnten», sagte der Sprecher. Die Behörde habe bislang gar keine konkrete Forderung gestellt, sondern mit Blick auf die Pflege der Mutter lediglich die finanziellen Möglichkeiten der Tochter ermitteln wollen. Dies sei in solchen Fällen ein normaler Vorgang.

beobachter300
26.02.2018
Ex-Heimkind will nicht für seine Mutter zahlen - Prozess geht weiter

Eine Frau (ich weigere mich den Begriff Mutter hier zu benützen) wirft ihr frisch geborenes Kind weg wie einen Gegenstand und will nichts davon Wissen, und nun soll dieses Kind für diese Person aufkommen! Was gibt es da überhaupt zu verhandeln?????????? Allein daran sieht man wie pervers krank die deutsche Justiz mittlerweile ist!! mehr...

AugenaufAuge
26.02.2018
Ex-Heimkind will nicht für seine Mutter zahlen - Prozess geht weiter

Bevor Sie über "Perversitäten" schwadronieren, sollten Sie sich anbieten, nicht nur als Steuerzahler, sondern am besten direkt für die Kosten der Mutter aufzukommen. Das ist bzw. wäre ja die Alternative, wenn die Tochter nicht zahlen muss.... mehr...

Demagoga
26.02.2018
Ex-Heimkind will nicht für seine Mutter zahlen - Prozess geht weiter

Viele alte Menschen beantragen die Aufstockung ihrer Rente nicht, obwohl ihnen das zustehen würde ..... Sie wollen nicht, dass die Kinder entsprechend belastet werden. Ganz anderer Blickwinkel: Wäre die komplette Familie Sozialhilfeempfänger, würde sich die Frage gar nicht stellen und manchem Rentner würde es besser gehen ...... mehr...

powertrommeln rudi
26.02.2018
Ex-Heimkind will nicht für seine Mutter zahlen - Prozess geht weiter

Das muss andere Gründe haben. Täusche ich mich, wenn ich sage, dass Kinder erst ab einem Jahreseinkommen von 100.000€ zu Unterstützungszahlungen herangezogen werden?... mehr...