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Ex-Ministerpräsident Roland Koch wird in Zukunft die Geschicke des Bauriesen Bilfinger Berger leiten. Foto: dpa
koch © dpa
01.07.2011

Ex-Ministerpräsident Koch ist neuer Bilfinger-Berger-Chef

MANNHEIM. Roland Koch ist voller Tatendrang: Er ist jetzt Chef des zweitgrößten deutschen Baukonzerns Bilfinger Berger und hat viele Pläne. Die Politik scheint der Ex-Ministerpräsident nicht zu vermissen.

Vom Vollblutpolitiker zum Vollblutmanager: Der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hat am Freitag den Chefposten beim Dienstleistungs- und Baukonzern Bilfinger Berger übernommen und kann sich jetzt schon vorstellen, seinen fünfjährigen Vertrag noch einmal zu verlängern. «Ich bin bereit, zehn Jahre zu bleiben, wenn der Aufsichtsrat das will», sagte Koch kurz vor seinem Amtsantritt. Seinen Wechsel von der Politik in die Wirtschaft bereut der 53-Jährige nicht. «Ich empfinde keine Entzugserscheinungen. Ich habe eine klare Entscheidung getroffen. Jobhopping ist nicht meine Art».

Nach Kochs überraschendem Rücktritt als Ministerpräsident hatten immer wieder Gerüchte die Runde gemacht, der CDU-Politiker strebe nach einem Zwischenstopp in der Wirtschaft einen Top-Job in der Politik an - als Bundesminister oder gar als Kanzler. Doch Koch will jetzt seine ganze Kraft in die Weiterentwicklung des im MDax notierten Konzerns mit seinen mehr als 58 000 Beschäftigten und einer Leistung von mehr als 8 Milliarden Euro stecken.

Dabei will der Jurist an die erfolgreiche Strategie seines Vorgängers Herbert Bodner anknüpfen, der den Dienstleistungsbereich massiv ausbaute und das schwankungsanfällige Baugeschäft zurückfuhr. «Es ist ein Wechsel in Kontinuität. Wir müssen das Rad nicht neu erfinden», sagte Koch.

Auch Koch will weiter im Dienstleistungsgeschäft zukaufen. Die Kasse von Bilfinger Berger ist mit rund einer Milliarde Euro gut gefüllt.

Einige Geschäftsfelder will der Manager stärken, damit sie «wie andere Bereiche auch Weltgeltung bekommen». Zugleich sollen die fünf Geschäftsfelder stärker vernetzt werden, um neue Projekte zu entwickeln. Die unterschiedlichen Teile des Konzerns sollen nach den vergangenen Zukäufen zu einem Ganzen zusammengefügt werden. «Wir müssen jetzt intern das Bewusstsein für ein vernetztes Unternehmen schaffen.»

Koch, der in der politischen Debatte gern zu polarisieren pflegte, will die Mitarbeiter «vorsichtig» an das Ziel heranführen. «Wir haben keine Sanierungsfälle gekauft, sondern gesunde Unternehmen mit selbstbewussten Mitarbeitern», sagte der 53-Jährige, den Wirtschaft immer gereizt hat. Schon als Regierungschef in Wiesbaden gab sich Koch weniger als Landesvater, denn als Vorstandsvorsitzender der «Hessen AG».

Durchsetzungsfähigkeit und strategisches Denken haben den Juristen in der Politik nach oben gebracht. Und seine Führungsqualitäten waren es auch, die Koch laut Bodner für den Posten als Vorstandschef bei den Mannheimern qualifizierten. «Sie haben den Ausschlag gegeben», sagte Bodner, der am Freitag nach zwölf Jahren an der Spitze des Konzerns in den Ruhestand ging.

Vier Monate Zeit hatte Koch, sich als einfaches Vorstandsmitglied in den Konzern einzuarbeiten. Sein Fazit: «Ein tolles Unternehmen und tollte Leute. Unser größtes Gut sind unsere langfristig engagierten Mitarbeiter».

Nachhaltigkeit und Langfristigkeit sind die Begriffe die der Manager immer wieder bemüht. Er strebe eine dauerhafte Rendite und Dividende für die Aktionäre des Konzerns an. Ein Aufstieg in die Börsen-Topliga Dax um jeden Preis kommt für Koch daher nicht infrage. «Ich werde das Unternehmen nicht danach steuern», sagte der Manager, der elf Jahre Ministerpräsident in Hessen war. «Wenn wir nur Kapital ansaugen, um in den Dax zu kommen, vernichten wir Profitabilität». dpa