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Die scheinbar steigende Gewaltbereitschaft der radikal-islamistischen Salafisten bereitet deutschen Sicherheitsbehörden Sorgen. © dpa
21.07.2012

Experte: Events der Salafisten bergen Gewaltpotenzial

Von Veranstaltungen der radikal-islamischen Salafisten geht nach Experten-Einschätzung eine Gefahr aus. Sie können demnach Gewalttaten bei den Anhängern der islamistischen Strömung auslösen. «Es kann zu Events kommen, bei denen Leute angespornt werden, tätig zu werden», sagte Islamismusfachmann Herbert Landolin Müller vom Verfassungsschutzamt in Stuttgart der Nachrichtenagentur dpa.

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Das sei bei der terroristischen «Sauerland-Gruppe» und dem «Kofferbomber von Köln» auch so gewesen, dass ein spezielles Erlebnis sie zu Anschlägen animierte. Für die Sicherheitsbehörden sei das eine Herausforderung, denn der sogenannte Auslöserpunkt sei im Grunde nicht voraussehbar. «Wir müssen da höllisch aufpassen», sagte der Leiter der Abteilung Internationaler Extremismus und Terrorismus.

Am Wochenende erst war bekanntgeworden, dass ein führender Salafist aus Ulm kürzlich von der Türkei ausgeliefert und in Deutschland verhaftet wurde. Wie etliche andere Aktivisten aus Baden-Württemberg war er ins Ausland geflüchtet, in diesem Fall nach Wasiristan. «Von seinen Aktivitäten ist er sicherlich nicht als friedlicher Zeitgenosse einzustufen, sondern als Vertreter des Dschihadismus», sagte Müller. Medienberichten nach soll er den inhaftierten Terroristen der Sauerland-Gruppe, Daniel Schneider, in Afghanistan angeworben haben. Auch die Wurzeln dieser Gruppe lagen in Ulm. Die Donaustadt war lange Hochburg von Islamisten im Südwesten. «Wir haben da noch ein Auge drauf, aber Ulm fällt da nicht als einzigartige Insel für islamistische Netzwerke auf», betonte Müller.

Die Salafisten seien kein neues Phänomen. In letzter Zeit aber seien sie sichtbarer, etwa durch die Verbreitung salafistischer Literatur. «Und damit meine ich nicht die Koran-Ausgaben, sondern das Verteilen von Schriften, die ein eigenständiges ideologisches Konstrukt darstellen», sagte Müller. «Sie werden sichtbar mit diversen Veranstaltungen, die nicht nur Anhänger und Sympathisanten ansprechen, sondern die letzten Endes eine öffentliche Wahrnehmung ermöglichen.» Dazu zählten etwa Demonstrationen, Büchertische in den Städten und das Hervortreten von bestimmten Predigern, die medientechnisch gut vermarktbar seien. Aufmerksamkeit erregten sie auch über bewusst gewählte Kleidung.

In Baden-Württemberg gebe es ein paar hundert Salafisten, aber derzeit keine bundesweit wirkenden «geistigen Größen». Doch die Reichweite der Salafisten sei weitaus größer als angenommen. Denn von den «Verlockungen des Salafismus» seien auch viele Jugendliche anderer islamistischer Gruppen berührt.

Unter den salafistischen Männern herrsche ein gewisses Gewaltpotenzial, das sich auch in den vergangenen Monaten bei Demonstrationen gezeigt habe, sagte Müller. Eine Gefahr stellten auch diejenigen dar, die ins Ausland etwa nach Saudi-Arabien oder in den Sudan gegangen seien. Eine Bedrohung sei zudem die absolute Distanz zur Demokratie. «Wir haben immer wieder Hinweise, dass es weiterhin gewaltgeneigte Personen gibt, nicht nur in Baden-Württemberg, wir müssen da über Deutschland hinaus denken», sagte Müller. «Wir bekommen immer wieder Signale aus der Szene heraus, die uns dazu anhalten, genauestens auf die Entwicklung zu achten.»

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