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Expertin: Drogenbanden drängen nach Deutschland
Expertin: Drogenbanden drängen nach Deutschland © Symbolbild: dpa
20.09.2012

Expertin: Drogenbanden drängen nach Deutschland

Tübingen (dpa/lsw) - Drogenfahnder beobachten mit Sorge, wie internationale Rauschgiftbanden immer stärker auch nach Baden-Württemberg drängen. «Die Drogenkartelle sind bestrebt, neue Schmuggelwege von Südamerika nach Europa zu etablieren, um ihre Ware dann hier zu verteilen», sagte die Rauschgiftexpertin des Landeskriminalamts (LKA), Marie-Luise Hüser, der Nachrichtenagentur dpa.

Deutschland entwickele sich dabei zu einem Transitland für internationale Schmuggler. Baden-Württemberg gilt unter Experten allerdings nicht als großer Umschlagplatz für illegale Drogen. Das Land liege zu weit weg von den Küsten und den großen Flughäfen.

Trotzdem seien Drogenkartelle auch im Südwesten aktiv. Im Juli wurden im Nordschwarzwald bei Calw 135 Kilogramm Kokain mit einem Schwarzmarktwert von mehreren Millionen Euro sichergestellt. 130 Kilogramm Kokain fanden die Fahnder im Dezember bei einer kolumbianischen Drogenbande auf der Schwäbischen Alb in Engstingen (Kreis Reutlingen) - acht mutmaßliche Mitglieder der Bande stehen jetzt in Tübingen vor Gericht. In beiden Fällen hatten weltweit agierende Drogenbanden Verstecke in abgelegenen Orten gesucht. Das sei typisch, sagte Hüser. «Sie wollen diese großen Mengen an Orten untergebracht wissen, an denen es unauffällig ist.»

Europa sei für Drogenschmuggel seit dem Wegfall der Grenzkontrollen zu einem besonders attraktiven Markt geworden. «Wenn Drogen einmal im EU-Gebiet sind, kann man sie zwischen den Ländern relativ problemlos transportieren», erklärte Hüser. «Gleichzeitig werden die EU-Außengrenzen immer stärker kontrolliert. Deshalb sind die Täter gezwungen, immer neue Einfallwege in die EU zu finden.»

Die klassischen Einfalltore nach Europa seien die Häfen in den Niederlanden, in Belgien und die Nordseehäfen in Deutschland sowie der Frankfurter Flughafen. «Der Flughafen in Stuttgart ist aufgrund seiner Größe hingegen recht überschaubar.» Weiterhin interessant sei für Schmuggler auch die sehr ausgedehnte spanische Küste, an deren Häfen viel Kokain eingeschmuggelt werde. Eine weitere Schmuggelroute von Kokain aus Südamerika sei der Weg über Afrika. Von dort erfolge der Weitertransport zum Teil mit Schnellbooten nach Europa.

Die klassische Route nach Baden-Württemberg verlaufe über die Autobahn oder die Zugverbindung im Rheintal. «Dort werden bei gemeinsamen Kontrollen mit dem Zoll die meisten Drogenhändler festgenommen», sagte Hüser. Genau diesen Weg soll auch die kolumbianische Rauschgifthändlerbande gewählt haben, die in Tübingen vor Gericht steht.

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