nach oben
Ingo Wellenreuther von der CDU (links) und Frank Mentrup von der SPD sind die aussichtsreichsten Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl in Karlsruhe.
Ingo Wellenreuther von der CDU (links) und Frank Mentrup von der SPD sind die aussichtsreichsten Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl in Karlsruhe. © dpa
09.11.2012

Fällt in Karlsruhe wieder eine OB-Bastion der CDU?

«Sauber und sicher», aber das mit Leidenschaft, oder doch lieber «zuhören, verbinden, gestalten»? Die Slogans der OB-Kandidaten von CDU und SPD sind so unterschiedlich wie ihre Naturelle. Am 2. Dezember haben die Karlsruher die Wahl - an sich zwischen sieben Männern. Doch als klare Favoriten gehen in der drittgrößten Stadt des Landes der Bundestagsabgeordnete Ingo Wellenreuther (CDU) und der Stuttgarter Kultusstaatssekretär Frank Mentrup (SPD) ins Rennen.

Umfrage

OB-Wahl am 2. Dezember: Bleibt Karlsruhe in der Rathausspitze eine CDU-Bastion?

Ja 29%
Nein 59%
Weiß nicht 12%
Stimmen gesamt 307

Die Oberbürgermeisterwahl in der ehemaligen badischen Residenz wird auch überregional mit Spannung beobachtet. Nach der Niederlage in Stuttgart bangt die CDU um eine weitere schwarze Rathaus-Bastion - zumal SPD und Grüne diese gemeinsam stürmen wollen, unterstützt von der Wählervereinigung KAL und Piraten. Sie sehen nach mehr als 40 Jahren schwarzer Herrschaft im Karlsruher Rathaus die Chance, die CDU vom Thron zu stoßen.

Der Countdown läuft - nicht nur bei Wellenreuther, der auf seiner Homepage die Tage zur Wahl zählt. Der Karlsruher CDU-Chef und KSC-Präsident gilt als gut vernetzt und will vor allem mit seinen Kontakten zur Wirtschaft punkten. Der Richter und 52 Jahre alte Vater von zwei Kindern macht sich aber auch für eine gute Kinderbetreuung und Schulen sowie für genügend bezahlbaren Wohnraum stark - und für eine saubere und sichere Stadt.

Schließlich soll die Residenz des Rechts und der Wissenschaft «Perle» bleiben, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei ihrem Wahlkampf-Besuch vor wenigen Tagen die Stadt beschrieb. Damit die nicht in rot-grüne Hände fällt, war die CDU-Chefin eigens nach Karlsruhe gereist, um Wellenreuther bei seinem «ehrgeizigen Vorhaben» zu unterstützen - so hoher Besuch war noch nie bei einem hiesigen OB-Wahlkampf.

Doch auch SPD-Kandidat Mentrup wartet mit Prominenz auf: Am 24. November kommen zum Kultur-Plausch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Finanzminister Nils Schmid (SPD). Während Wellenreuther selbst die eigenen Reihen spaltet, tritt der 48-jährige Mentrup als Versöhner auf. Er wirbt für Gemeinsinn, Transparenz und eine Politik, «die unsere Stadtgesellschaft zusammenführt».

Für SPD-Landeschef Nils Schmid steht der Arzt und Vater von vier Kindern für einen neuen Politikstil: «Er hört den Menschen zu. Und er ist derjenige, der wirtschaftliche, soziale und ökologische Interessen in einer Großstadt miteinander verbindet.»

Dass Großstädte für seine Partei «ein schwieriges Pflaster» geworden sind, weiß CDU-Landeschef Thomas Strobl nicht erst seit dem Grünen-Erfolg bei der Stuttgarter OB-Wahl. Er hofft, dass Wellenreuther schon als Karlsruher gegen den reingeschmeckten Mannheimer punkten kann: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Karlsruher einen bloßen Abgesandten der grün-roten Regierungskoalition aus Stuttgart wollen.»

Wer am Ende das Rennen in der 300 000-Einwohner-Stadt macht, ist völlig offen. Schließlich treten auch noch die Linke, die Wählervereinigungen Gemeinsam für Karlsruhe und die Freien Wähler mit ihren Bewerbern sowie zwei Einzelkandidaten an.

Auf dem Wahlzettel war Wellenreuther schon mal das Losglück hold: Er darf von den sieben Kandidaten an erster Stelle stehen. Gezogen wurde das Los am Mittwoch von Stadtoberhaupt Heinz Fenrich. Der CDU-Politiker, der in den Ruhestand geht, hatte sich eine Frau statt Wellenreuther zum Nachfolger gewünscht.