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Melanie Luttkus, Chemielaborantin beim Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe, führt eine Löslichkeitsprüfung einer Flüssigkeit durch. Im Chemischen Veterinär- und Untersuchungsamt in Karlsruhe werden zahlreiche Medikamente untersucht und eventuelle Fälschungen nachgewiesen.
Melanie Luttkus, Chemielaborantin beim Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe, führt eine Löslichkeitsprüfung einer Flüssigkeit durch. Im Chemischen Veterinär- und Untersuchungsamt in Karlsruhe werden zahlreiche Medikamente untersucht und eventuelle Fälschungen nachgewiesen. © dpa
29.07.2012

Fälschungen: Wenn einen Potenzmittel hängen lassen

Matthias Kohl-Himmelseher hat, was viele Männer wollen: Sein Schrank ist gefüllt mit verschiedenen Potenz- und anderen leistungssteigernden Mitteln. Doch der erste Blick täuscht. Viele dieser Präparate halten nicht unbedingt, was sie versprechen. Es sind schlicht Fälschungen - manche gänzlich wirkungslos, manche einigermaßen wirksam, manche mit dreifacher Wirkstoffdosis, manche sogar schädlich. Ihnen ist Pharmazeut Kohl-Himmelseher in seinem Labor im Chemischen Veterinär- und Untersuchungsamt in Karlsruhe, kurz CVUA, auf der Spur.

Dabei machen es ihm die Fälscher nicht leicht. Ihre Packungen und Pillen sehen dem Original meist ziemlich ähnlich, sagt er und zeigt auf die besten Stücke in seinem Glasschrank. «Die mit Abstand am meisten gefälschten Medikamente sind Viagra und Cialis.» In einem Fall sieht die Fälschung sogar besser aus als das Original: Die Schrift auf der blauen Potenzpille wirkt schärfer und konturierter. «Für Laien ist es enorm schwierig zu erkennen, welches Medikament echt und welches gefälscht ist.»

Die Fallzahlen sind nicht riesig, aber das Problem wird zusehends größer: Seit 2008 würden immer mehr illegal produzierte Medikamente ins Land gebracht. «Während wir früher etwa 100 Proben pro Jahr untersuchen mussten, waren es die letzten drei bis vier Jahre deutlich mehr», erklärt Kohl-Himmelseher. Das Sozialministerium in Stuttgart hat im vergangenen Jahr 400 Proben untersuchen lassen. Laut CVUA wurden insgesamt bis zu 1150 Proben analysiert.

Neben den Potenzpillen checkt die CVUA auch Doping-Mittel, Anabolika und Schlankheitstabletten. «Die meisten kommen aus Fernost, aus Panscher-Werkstätten der Dritten Welt», sagt der Pharmazeut. «Vereinzelt gibt es auch Untergrund-Werkstätten in Deutschland, die das Zeug herstellen.»

Meist werden die Mittelchen im Internet angeboten - und sind dort oft nicht mal billiger als in der Apotheke. «Es ist vor allem auch eine Schamschwelle, die die Menschen dazu bringt, sich Potenzmittel online zu bestellen», vermutet Kohl-Himmelsseher. «Potenzmittel ohne Rezept - damit werben leider die illegalen Internetapotheken», ergänzt Martin Fensch vom Pharmaziekonzern Pfizer in Berlin. Preiswerter als das Original, so bestätigt auch er, sind die Fälschungen oft nicht.

Zahlen über den finanziellen Schaden, den Pfizer durch Fälschungen seines Starmedikaments Viagra hat, gibt es von Unternehmensseite nicht. Allerdings sei es das mit Abstand am meisten gefälschte Produkt. «Das Problem ist beträchtlich», sagt Fensch. Für Deutschland liegen zwar keine Zahlen vor. Weltweit wisse man aber von rund fünf Millionen gefälschten Viagra-Tabletten.

Beschlagnahmt werden die Fälschungen hierzulande meist vom Zoll. Im vergangenen Jahr seien «eine Vielzahl von Ermittlungsverfahren wegen illegal eingeführter Arzneimittel» aufgenommen worden, sagt Michael Eisenmenger von der Bundesfinanzstelle Südwest. Rund 1,65 Millionen Tabletten und Ampullen haben die Fahnder sichergestellt sowie 43 Liter Rohstoffe zur Herstellung solcher Arzneimittel.

Für die Analysen stehen in Baden-Württemberg vier Untersuchungsämter bereit: Neben Karlsruhe gibt es Standorte in Freiburg, Stuttgart und Sigmaringen. Auch Pfizer hat eigene Labors, in denen die Fälschungen mit modernsten Methoden durchleuchtet werden. Klar aber ist laut CVUA-Experte Kohl-Himmelseher: Die Fälscher sind sehr findig und oftmals keine Laien. «Das sind ausgebildete Chemiker und hochspezialisierte Fachleute.» dpa

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