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dna © Türschmann
21.03.2014

Fahnder im Fall Bögerl wollen letzte DNA-Proben sammeln

Neresheim/Ulm (dpa/lsw) - In einigen Wochen jährt sich der grausame Mord an Maria Bögerl zum vierten Mal. Es war im Mai 2010, als die zweifache Mutter und Frau des ehemaligen Heidenheimer Sparkassenchefs Thomas Bögerl aus ihrem Haus entführt wurde. Die Täter forderten vom Ehemann telefonisch Lösegeld. Doch eine Übergabe scheiterte.

Drei Wochen später wurde Bögerl erstochen in einem Wald entdeckt. Die Ermittler gehen inzwischen von mehreren Tätern aus. Einer von ihnen forderte mit schwäbischem Akzent das Lösegeld. Womöglich ein Grund, warum Polizei und Staatsananwaltschaft so intensiv im Städtchen Neresheim auf der Ostalb ermitteln.

Dort sind an diesem Freitag und Samstag erneut rund 400 Männer aufgerufen, im örtlichen Amtsgericht eine Speichelprobe abzugeben. Mit ihnen hatte die Polizei in den vergangenen Wochen Kontakt aufgenommen, weil sie nicht zum groß angelegten Massengentest Mitte Februar erschienen waren. «Zur Abgabe einer Speichelprobe kann niemand verpflichtet werden», sagt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. «Es sei denn, es liegt ein konkreter Verdacht vor.» So appellieren die Ermittler immer wieder an die Neresheimer, sich freiwillig zu beteiligen. Nur so kann die Schlinge um den Täter zugezogen werden.

Beim Massentest vor ein paar Wochen hatten sich etwa 1300 Männer zwischen 21 Jahren und 68 Jahren mit einem Wattestäbchen Speichel entnehmen lassen. In den Tagen danach stieg die Zahl der abgegebenen Proben kontinuierlich. Bis zuletzt haben rund 2270 Männer ihre DNA der Polizei zur Verfügung gestellt. Fehlen also noch 730 Proben.

Jüngsten Zahlen der Ermittler zufolge haben bereits 70 von 400 aus Neresheim weggezogenen Männer ihre DNA bei einer Polizeidienststelle irgendwo in Deutschland oder im EU-Ausland abgegeben. Von den übrigen 330 sind den Behörden die Wohnorte bekannt. Sie alle wurden von der ermittelnden Soko Flagge angeschrieben und gebeten, mit dem nächsten Polizeirevier zwecks der Speichelprobe Kontakt aufzunehmen. Bleibt abzuwarten, wie die Resonanz ist.

Nach der ersten großen Reihenuntersuchung gab sich die Polizei zunächst zufrieden mit der Zahl der abgegebenen Proben. Vermutlich haben sich die Ermittler jedoch eine größere Beteiligung ausgemalt. Schließlich hat der Massengentest in einer Neresheimer Schule rund 60 000 Euro gekostet. Außerdem waren mehrere Dutzend Beamte vor Ort, um die Aktion über die Bühne zu bringen. «So ein Test bedeutet immer einen hohen Personalaufwand», sagt ein Polizeisprecher mit Blick auf die Fortsetzung in deutlich kleinerem Rahmen. Damals wurde aber keiner der Männer persönlich angeschrieben. Die Polizei hatte die Aktion über Presse und Mund-zu-Mund-Propaganda öffentlich gemacht.

Inzwischen liegen die ersten Ergebnisse von DNA-Proben des ersten Massentests vor. «Erkenntnisse darüber werden wir vorerst aber nicht kommunizieren», sagt der Polizeisprecher. Man wolle abwarten, bis alle Proben ausgewertet sind. Das könne noch einige Wochen dauern.