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Das Erzbistum Freiburg muss ein bis zu 160 Millionen Euro teures Problem mit möglicherweise nicht gezahlten Rentenbeiträgen aufklären. Bereits seit Mai laufen interne Ermittlungen. Erzbischof Stephan Burger geht aber erst jetzt an die Öffentlichkeit. 
Das Erzbistum Freiburg muss ein bis zu 160 Millionen Euro teures Problem mit möglicherweise nicht gezahlten Rentenbeiträgen aufklären. Bereits seit Mai laufen interne Ermittlungen. Erzbischof Stephan Burger geht aber erst jetzt an die Öffentlichkeit.  © dpa
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26.10.2017

Falsch abgerechnet: Erzbistum Freiburg droht gewaltige Millionen-Nachzahlung

Freiburg. Ganz klar sind die Fakten noch nicht. Doch eines ist sicher: Das Erzbistum Freiburg muss ein bis zu 160 Millionen Euro teures Problem mit möglicherweise nicht gezahlten Rentenbeiträgen aufklären.

Bereits seit Mai laufen interne Ermittlungen. Erzbischof Stephan Burger geht erst jetzt an die Öffentlichkeit. Warum? 

Man habe erst jetzt über den Fall informiert, «um die Untersuchungen der Behörden nicht zu beeinflussen», betont Burger in einer Pressemitteilung. «Dass den Sozialkassen wahrscheinlich ein Schaden entstanden ist, bedauern wir sehr, wir werden diesen wieder gut machen.» Eine entsprechende Rückstellung von 160 Millionen Euro gibt es schon. Und personelle Konsequenzen: Der Diözesanökonom des Erzbistums, quasi der Leiter der Finanzabteilung, wurde versetzt.

Was zuvor geschah: Am 3. Mai informierte die Deutsche Rentenversicherung (DRV) die Erzdiözese über das Problem. Am 12. Mai setzte Burger eine Taskforce unter seiner Leitung ein, an der auch unabhängige Wirtschaftsprüfer beteiligt sind.

Möglicherweise wurden für mehrere Tätigkeiten in den Gemeinden des Erzbistums keine oder nicht ausreichende Rentenbeiträge abgeführt. Der Untersuchungszeitraum reicht bis 1999 zurück. Nach Angaben eines Sprechers geht es um geringfügige Beschäftigungsverhältnisse und ehrenamtliche Tätigkeiten. Als Beispiele nennt er Gartenarbeiten oder das Austragen von Mitteilungsblättern.

Wo wurden die Fehler gemacht? Die Gemeinden arbeiten selbstständig, sind aber viel zu klein, um Verwaltungsaufgaben wie Personalabrechnungen selbst erledigen zu können. Dazu gibt es im Erzbistum 23 Verrechnungsstellen. Warum genau und an welcher Stelle falsch abgerechnet wurde, ist zumindest öffentlich nicht bekannt. «Wir gehen von einem Versehen aus, das über lange Zeit nicht bemerkt wurde», sagt ein Sprecher des Erzbistums am Donnerstag. Er weist darauf hin, dass auch der DRV über Jahre nichts aufgefallen ist.

Die DRV äußert sich aus Datenschutzgründen nicht zu Einzelheiten. «Was wir aber sagen können, ist, dass sich das Erzbistum Freiburg bei der Prüfung sehr kooperativ und entgegenkommend zeigt», betont DRV-Sprecher Dirk von der Heide. «Wir schauen uns jetzt die einzelnen Personengruppen an, bei denen eventuell Beiträge nachgefordert werden müssen, und prüfen, ob Versicherungspflicht besteht oder nicht.»

Für Beiträge, die nicht bis zur Fälligkeit gezahlt werden, ist ein Säumniszuschlag fällig. Zahlungspflichtige werden damit von der Heiden zufolge einerseits zur pünktlichen Beitragszahlung angehalten. «Andererseits werden die durch eine verspätete Beitragszahlung entstandenen Nachteile bei den Sozialversicherungsträgern ausgeglichen.»

Die Staatsanwaltschaft Freiburg beobachtet den Vorgang. Sie wurde von der Kirche selbst informiert. Staatsanwalt Ralf Langenbach sagt, «wir haben einen Prüfvorgang angelegt». Ein Ermittlungsverfahren gebe es aber noch nicht.

Entscheidend wird wohl sein, ob sich die Annahme bestätigt, dass es sich um ein folgenschweres Versehen gehandelt hat - oder ob der Verdacht entsteht, dass Rentenversicherungsbeiträge wissentlich nicht gezahlt wurden. 

Bei den beiden evangelischen Landeskirchen in Baden-Württemberg gibt es nach Überzeugung der Landesbischöfe Frank Otfried July (Württemberg) und Jochen Cornelius-Bundschuh (Baden) keine vergleichbaren finanziellen Pannen. «Wir haben keine Leichen im Keller», sagt Cornelius-Bundschuh am Donnerstag in Stuttgart. Auch die Diözese Rottenburg-Stuttgart schließt solche Versäumnisse aus.

Isis
26.10.2017
Falsch abgerechnet: Erzbistum Freiburg droht gewaltige Millionen-Nachzahlung

Seltsam! Jahrelang nix gemerkt?? Doppelt seltsam!!! Ueber 2.000 Mini-Jobber beschaeftigt die fromme Kirche also. Ja, das ist doch saumaessig christlich. mehr...

Ladygaga
26.10.2017
Falsch abgerechnet: Erzbistum Freiburg droht gewaltige Millionen-Nachzahlung

Wetten, daß hier auch der Mantel des Schweigens drüber geworfen wird ? Kirche, Zölibat, Mißbrauch von Schutzbefohlenen--alles egal. Die Themen waren in Null-komma Nix von der Bildfläche verschwunden... mehr...

helmut
27.10.2017
Falsch abgerechnet: Erzbistum Freiburg droht gewaltige Millionen-Nachzahlung

So schlimm kann es wohl nicht sein. Läppische 160 Millionen für die bereits Rückstellungen vorhanden sind. Einfach nur Peanuts. mehr...

Faelchle
27.10.2017
Falsch abgerechnet: Erzbistum Freiburg droht gewaltige Millionen-Nachzahlung

So ein Anlass ist doch willkommen, immer schön über die Kirchen zu schelten, das macht es so leicht, sich von allem zu entsagen. Einen kleinen Hinweis von mir: Ich arbeitete vor ca. 20 Jahren eine Zeitlang an einer Verrechnungsstelle für Löhne und Gehälter. Ein Mitarbeiter gab bei den Stammdaten damals eine falsche Kennziffer ein, sodass jahrelang unbemerkt die Sozialabgaben vom EDV System falsch errechnet und falsch abgeführt wurden. Wurde erst bei der nächsten Betriebsprüfung des ...... mehr...