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15.04.2011

Falscher Arzt holt sich Doktorurkunde bei Google

STUTTGART. Ein falscher Arzt hat am Freitag vor Gericht zugegeben, sich seine Zulassung bei Google besorgt zu haben. Mit Hilfe der Internetsuchmaschine sei er auf einen Lebenslauf und eine Approbationsurkunde gestoßen, die er am Computer fälschte und als Bewerbung einreichte, erklärte der 27-Jährige vor dem Landgericht Stuttgart. Der Mann wurde 2010 vor dem Amtsgericht Maulbronn wegen Stalkings seiner Ex-Freundin zu einer Bewährungsstrage verurteilt. Danach flog der Arzt-Schwindel auf.

Der Mann hat laut Anklage von August 2009 bis Januar 2010 als Betäubungsarzt und «Helfer vor Ort» gearbeitet. Er soll bei rund 150 Patienten in München und Horb (Kreis Freudenstadt) unter anderem Narkosemittel gespritzt, Infusionen gelegt und Blut entnommen haben.

Sein Medizinwissen habe er sich bei mehreren Praktika in verschiedenen Kliniken, während eines Freiwilligen Sozialen Jahres und als Rettungshelfer angeeignet, erklärte der Angeklagte. Er besitzt lediglich einen Hauptschulabschluss. Obwohl der in Höhe von rund 100.000 Euro verschuldete Mann für seine Dienste knapp 20.000 Euro eingestrichen haben soll, sei es ihm nie um Geld gegangen, erklärte er. Er habe helfen wollen. «Ich bin darin aufgegangen», sagte der Angeklagte. Bei allen Behandlungen sei er wegen seiner früheren medizinischen Tätigkeiten hundert Prozent sicher gewesen.

Seine Tarnung war schließlich aus einem ungewöhnlichen Grund aufgeflogen. Über Behandlungsfehler des gebürtigen Böblingers hatte sich niemand beklagt - er selbst war es, der einen Beschwerdebrief über Probleme bei der Zuteilung von Rettungskräften im Rems-Murr-Kreis geschrieben hatte. Dieser enthielt mehrere Dutzend Rechtschreibfehler, so dass erstmals die akademische Laufbahn des Mannes hinterfragt wurde.

Die Anklage gegen den Mann lautet auf Missbrauch von Titeln, Betrug und Körperverletzung. Oberstaatsanwalt, Verteidiger und Kammer hatten bereits am Morgen an einer Verständigung gebastelt, nach der der Vorsitzende Richter den Beteiligten eine Höchststrafe von 3 Jahren und 9 Monaten Haft vorschlug. Nach der Mittagspause erklärte der Richter, dass die Verteidigung bereit sei, diesem Vorschlag «mit gewissen Einschränkungen» zu folgen. Der ursprünglich bis Juli angesetzte Prozess wird daher voraussichtlich früher enden. dpa