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Drei Mitglieder eines Familienclans stehen ab Montag wegen Mordes an einem Unteralbacher Antiquitätenhändler vor Gericht. Eine 62-Jährige soll als "Oberhaupt" der Familie ihren Sohn und ihren Neffen beauftragt haben, den 70-Jährigen zu überfallen. Hat sie auch dessen Mord gebilligt?
Drei Mitglieder eines Familienclans stehen ab Montag wegen Mordes an einem Unteralbacher Antiquitätenhändler vor Gericht. Eine 62-Jährige soll als "Oberhaupt" der Familie ihren Sohn und ihren Neffen beauftragt haben, den 70-Jährigen zu überfallen. Hat sie auch dessen Mord gebilligt? © Symbolbild: dpa
22.07.2013

Familienclan vor Gericht: Befahl Mutter Überfall mit Mord?

Wenige Minuten nach Prozessbeginn hat ein 34-Jähriger vor dem Landgericht Mosbach gestanden, aus Habgier den Unterbalbacher Antiquitätenhändler Heinz Jürgen Biedron umgebracht zu haben. «Ich habe gedacht, wir können dort Geld besorgen», sagte er am Montag. Rätselhaft blieb die Rolle der mitangeklagten 62-jährigen Mutter, die laut Staatsanwaltschaft in dem Familienclan mit ungarischer Staatsangehörigkeit das Sagen hat.

Sie soll es auch gewesen sein, die ihrem Sohn und ihrem Neffen den Auftrag erteilte, den 70-Jährigen in Lauda-Königshofen zu überfallen – und wenn nötig, zu töten. «Alle Familienmitglieder hatten ihr zu gehorchen», sagte Oberstaatsanwalt Franz-Josef Heering. Der „Familienclan“, so schrieb es die Staatsanwaltschaft Mosbach vor Prozessbeginn, soll „seine Einkünfte wohl überwiegend durch kriminelle Handlungen einzelner Mitglieder finanziert haben“.

Der 34 Jahre alte Angeklagte stellte die Sache mit dem Mord in Mosbach anders dar: «Die ganze Aktion ist nicht von meiner Mutter gekommen.» Sie habe ihn nicht zu der Tat angestiftet. Auch seinen 26 Jahre alten Cousin, der ebenfalls auf der Anklagebank sitzt, entlastete er. Der Prozess geht an diesem Donnerstag, 25. Juli, weiter, dann könnten die Richter auch schon das Urteil fällen.

Die Anklage lautet auf Mord beziehungsweise - im Falle des «Familienoberhauptes» - auf Anstiftung dazu. Der Cousin äußerte sich nicht zur Tat, auch die 62-Jährige machte nur Angaben zu ihrer Person und erzählte zum Beispiel, nicht lesen und schreiben zu können.

Die Staatsanwaltschaft hält zwei Versionen des Geschehens im Dezember für möglich: Entweder schlug einer der beiden Männer so überraschend mit einem Gipserbeil auf den 70-Jährigen ein, dass dieser sich nicht mehr wehren konnte. Oder einer hielt den Antiquitätenhändler in dessen Wohnung fest, während der andere ihm den Schädel zertrümmerte. Das Opfer sei noch am Tatort an der massiven Gewalteinwirkung gestorben.

Ein Bekannter der Familie sagte aus, die beiden Hauptangeklagten zum Tatort gefahren zu haben, ohne zu wissen, was sie dort vorhätten. Eine Zeugin beobachtete von einem Balkon aus, wie sich zwei Männer am Tag der Tat mit dem Antiquitätenhändler unterhielten.

Bei den Ermittlungen kamen der Staatsanwaltschaft zufolge weitere Straftaten der Angeklagten ans Licht: Die 62-Jährige soll ihre damals 13-jährige Enkeltochter im Dezember angewiesen haben, sich von einem Bekannten der Familie sexuell missbrauchen zu lassen. Eine andere Enkelin sollte den Sex filmen, um den Mann wegen der Straftat zu erpressen - dies soll mehrere Male funktioniert haben. Der 26 Jahre alte Angeklagte habe außerdem 2012 einem Mann mit einem Messer in die Brust gestochen.