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Eine 62-Jährige hat ihren Sohn und ihren Neffen zu einem Raubmord angestiftet. So sieht es das Gericht und hat daher die drei Mitglieder eines Familienclans zu lebenslänglichen Haftstrafen verurteilt.
Eine 62-Jährige hat ihren Sohn und ihren Neffen zu einem Raubmord angestiftet. So sieht es das Gericht und hat daher die drei Mitglieder eines Familienclans zu lebenslänglichen Haftstrafen verurteilt. © dpa
25.07.2013

Familienclan-Trio erhält lebenslänglich wegen Mord

Mosbach. Im Prozess um einen ermordeten Antiquitätenhändler müssen drei Mitglieder eines Familienclans lebenslang hinter Gitter. «Wir haben hier eine kriminelle Vereinigung, die nichts anderes tut, als Straftaten zu begehen», sagte der Vorsitzende Richter am Donnerstag vor dem Landgericht in Mosbach (Neckar-Odenwald-Kreis).

Zwei 26 und 34 Jahre alte Männer wurden wegen Mordes verurteilt, eine 62-Jährige wegen Anstiftung dazu. Sie ist die Mutter des 34-Jährigen, der jüngere Mörder ist ihr Neffe. Die Richter sahen außerdem eine besondere Schwere der Schuld. Nach Überzeugung des Gerichts ermordeten die Männer den 70-Jährigen in Lauda-Königshofen (Main-Tauber-Kreis) im Auftrag der 62-Jährigen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Wenige Minuten nach Prozessbeginn am Montag hatte der 34-Jährige vor dem Landgericht Mosbach gestanden, aus Habgier den Unterbalbacher Antiquitätenhändler Heinz Jürgen Biedron umgebracht zu haben. «Ich habe gedacht, wir können dort Geld besorgen», sagte er am Montag. Der 34 Jahre alte Angeklagte stellte die Sache mit dem Mord in Mosbach anders dar als die Staatsanwaltschaft: «Die ganze Aktion ist nicht von meiner Mutter gekommen.» Sie habe ihn nicht zu der Tat angestiftet. Auch seinen 26 Jahre alten Cousin, der ebenfalls auf der Anklagebank sitzt, entlastete er.

Das Gericht sah in der mitangeklagten 62-jährigen Mutter, die laut Staatsanwaltschaft in dem Familienclan mit ungarischer Staatsangehörigkeit das Sagen hatte, jedoch die Anstifterin. «Alle Familienmitglieder hatten ihr zu gehorchen», sagte Oberstaatsanwalt Franz-Josef Heering. Der „Familienclan“, so schrieb es die Staatsanwaltschaft Mosbach vor Prozessbeginn, soll „seine Einkünfte wohl überwiegend durch kriminelle Handlungen einzelner Mitglieder finanziert haben“. Und zu diesen Handlungen gehört nach dem jüngsten Gerichtsurteil nun auch Mord.

Wichtigste Zeugin war die Tochter des 34-jährigen Angeklagten. Die Jugendliche hatte ausgesagt, ihr Vater und der 26-Jährige hätten ihr von der Tat in Lauda-Königshofen (Main-Tauber-Kreis) erzählt und ihr eingeschärft, nichts zu verraten. Die 62-Jährige habe die beiden Männer zu dem Verbrechen angestiftet: «Sie hat gesagt, sie kennt einen Mann, der hat ganz viel Geld und auch Gold, da sollen sie hinfahren. Wenn die Tat nicht gelingt, dann sollten sie ihn auch umbringen.» Die Richter, die mit dem Strafmaß dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft folgten, glaubten der 14-Jährigen.

Auch die Anklagebehörde stützte sich in ihrem Plädoyer stark auf die Angaben des Mädchens. Sie habe ihre Familienmitglieder nicht leichten Herzens belastet, sagte der Oberstaatsanwalt. «Die Komplexität ihrer Erzählung weist auf etwas tatsächlich Erlebtes.»

Bei den Ermittlungen kamen der Staatsanwaltschaft zufolge weitere Straftaten der Angeklagten ans Licht: Die 62-Jährige soll ihre damals 13-jährige Enkeltochter im Dezember angewiesen haben, sich von einem Bekannten der Familie sexuell missbrauchen zu lassen. Eine andere Enkelin sollte den Geschlechtsakt filmen, um den Mann wegen der Straftat zu erpressen - dies soll mehrere Male funktioniert haben. Der 26 Jahre alte Angeklagte habe außerdem 2012 einem Mann mit einem Messer in die Brust gestochen.

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