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Die "Panama Papers" haben weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Die Auswertung ist eine langwierige Sache. Auch im Südwesten werden viele Verfahren geführt und die Vorgänge genauer unter die Lupe genommen.
Die "Panama Papers" haben weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Die Auswertung ist eine langwierige Sache. Auch im Südwesten werden viele Verfahren geführt und die Vorgänge genauer unter die Lupe genommen. © Symbolbild dpa
05.05.2019

Fast 70 Verfahren zu den "Panama Papers" im Südwesten - 2016 tauchten Namen aus der Region in den Daten auf

Stuttgart. Im Zuge der "Panama Papers"-Enthüllungen haben die Finanzämter im Südwesten in 67 Fällen Ermittlungen aufgenommen.

Dabei wurden in den Verfahren bei den Straf- und Bußgeldsachenstellen hinterzogene Steuern in Höhe von 457.724 Euro festgestellt, wie Finanzministerin Edith Sitzmann (Grüne) in Stuttgart mitteilte. Die Unterlagen seien unglaublich umfangreich.

Die «Panama-Papers» waren im Frühjahr 2016 bekanntgeworden. Sie bestanden aus Unterlagen der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack & Fonseca, die von Journalisten weltweit ausgewertet wurden. Der Datenberg zeigte große Geldströme nach Panama, wo Tausende Briefkastenfirmen angesiedelt sind. Aus ihm ging auch hervor, dass zahlreiche Politiker, Sportler und andere Prominente Vermögen in Offshore-Firmen hielten. Darunter waren auch drei Adressen aus Pforzheim und drei aus dem Enzkreis. Die hessischen Steuerbehörden werten federführend für die Bundesländer und in Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt die "Panama Papers" aus.

Sitzmann sagte weiter, es werde sorgfältig vorgegangen. "Wer eine sogenannte Offshore-Firma betreibt, begeht nicht per se eine Straftat. Wenn aber über solche Firmen weltweit Geld am Fiskus vorbeigeschleust wird, dann ist das Steuerhinterziehung. Dieser gehen wir konsequent nach. Die Ermittlungen zu den Panama Papers sind ein gutes Beispiel, wie Behörden über Ressort- und Ländergrenzen hinweg eng zusammenarbeiten."

Sofern bei der Auswertungen der Dokumente Auffälligkeiten festgestellt werden, werden die Daten an die Steuerverwaltung im zuständigen Bundesland abgegeben. In Baden-Württemberg ist die zentrale Sondereinheit auf dem Gebiet der überregionalen Steueraufsicht (SES) zuständig. Diese Sondereinheit ist beim Finanzamt Karlsruhe-Durlach angesiedelt.

Das Aufspüren möglicher Steuerhinterzieher gleicht der Suche nach der Nadel im Heuhaufen: Die Behörden durchforsten nach Enthüllung der «Panama Papers» derzeit rund 49 Millionen Dateien. Inzwischen sind bundesweit in rund 150 Fällen Steuerstrafverfahren eingeleitet oder laufende Verfahren unterstützt worden. 

Etwa drei Jahre nach den Enthüllungen der «Panama Papers» über Tausende Briefkastenfirmen und Steuertricksereien haben Behörden nach Medienberichten weltweit umgerechnet 1,07 Milliarden Euro an Strafen und Steuer-Nachzahlungen verhängt.

Berichte über Hunderttausende Briefkastenfirmen hatten im Mai 2016 die Finanzwelt erschüttert, die Politik aufgeschreckt und Steuerfahnder hellhörig gemacht. Als die Basisdaten der „Panama Papers“ und der „Offshore Leaks“ im Internet abrufbar waren, wurde auch schnell deutlich: In der Datensammlung sind auch drei Adressen aus Pforzheim und drei aus dem Enzkreis aufgelistet. „Der Besitz einer Briefkastenfirma heißt aber noch nicht, dass eine Straftat begangen wurde“, sagt damals Tobias Wagner, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Karlsruhe. Solche Konstrukte können jedoch dazu dienen, die Herkunft von Geld zu verschleiern. 

Sie wollen den PZ-Aufmacher vom 13. Mai 2016 zu den "Panama-Papers" nachlesen? Hier können Sie die Seite herunterladen.

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